- 10-
anderseits unser heiliger Jüngling in seiner Gewissenhaftigkeit alle Wachsamkeit auf die ihm anvertraute Heerde haben wollte, so wurde er zu seinem größten Schmerze gar oft in seinem Gebete gestört, und in Folge stellte er an seinen Herrn die bescheidene Bitte, er möge ihm doch die Hut der Schweine wieder abnehmen und einem Andern übertragen. Der Herr, welcher bereits gesehen hatte, welchen Schaß er in dem armen niedrigen Viehhirten in sein Haus aufgenommen hatte, mit welcher Aufmerksamkeit und Sorgfalt derselbe sein so niedriges Amt verwaltete, erfüllte gern diese Bitte, weil er wohl wußte, wie dieselbe nur aus Eifer, Gott mehr zu dienen, hervorgehe und übertrug dem Heiligen die Kuhheerden. Jetzt hatte Wendelin so recht Zeit und Muße, seinem Gott zu dienen und zu beten. In diesem Sinne stellen die Künstler den heiligen Wendelinus gewöhnlich dar: in der freien Natur von einer weidenden Kuhheerde umgeben, die Hände gefaltet, das Angesicht gegen den Himmel gerichtet.
Gottes Schuß war so augenscheinlich bei dem frommen Wendelin und seiner Heerde, daß sein Herr immer mehr erkannte, daß er nicht einen gewöhnlichen Menschen, sondern einen von Gott besonders begnadigten Mann zum Hirten habe.
Wohl mochte unserm Heiligen schon seit langer Zeit jene liebliche Scene vor Augen schwe


