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Gott ist die reinste Liebe : mein Gebet und meine Betrachtung / vom Hofrath von Echartshausen
Entstehung
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Ueber das Gefühl meines Daseyns.

Ich fühle mein Daseyn, das heißt, ich fühle, daß ich lebe; ich fühle, daß ich ein Wesen bin, das sich seiner bewußt ist. Mein Auge sieht die Herrlichkeit der Natur, die blühenden Fluren, den grünen Hain, die majestätischen Wälder; mein Ohr hört das Rauschen der Bäche, die Töne der Lerche, die Lieder der Nachtigall. Ich rieche die aromatischen Blumen, fühle den Wohlgeruch der duftenden Rosen; meine Wangen sind empfänglich der Einflüße des sanften Westes; der leise Ze­phyr spielt mit meinen Locken, und kühlt mit sei­nem Hauche meine heißen Wangen. Hier sind fruchtbeladene Zweige, und geben mir Nahrung und Labung; ich fühle eine angenehme Wollust in ihrem Geschmacke. Hier ladet mich die Birne dort die Aprikose, und da die Kirsche ein. Ich will gehen, und kann gehen; will die Früchte pflücken, und kann sie pflücken. Ich genieße, und fühle Wonne im Genuße, und das, was sich dieses Gefühls bewußt ist, das bin ich, ich, ein Näthsel meiner selbst, der ich nun da bin, und einst nicht da war. Ich bin, fühle mein Dafeyn; und wer seşte mich hieher? Wer gab mir diesen herrlichen Bau? Wer die Empfänglichkeit zu dem fanften Genuße dessen, was da ist? Wer ist das Wesen, dem ich dieß alles zu danken habe? Der, der diese schöne Erde gemacht hat, der