Druckschrift 
Gott ist die reinste Liebe : mein Gebet und meine Betrachtung / vom Hofrath von Echartshausen
Entstehung
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Ja, die Liebe bist du, denn Liebe verkündigen alle deine Werke. Die aufgehende Sonne ver­kündiget deine Majestät, und die Wonne dieses Morgens deine Güte. Ich sehe heute meinen Va­ter wieder, meine Gattin, meine Kinder, meine Freunde. Sie sind gesund, und eilen freudig wie= der in meine Arme. Wer sorgte für sie, für die Lieben, als ich schlief? Wer schüßte sie vor den Gefahren der Nacht? Du, Gott der Güte! und mein Herz sollte dich nicht lieben? Was heißt aber dich lieben? Das will ich überdenken. Dich lieben heißt, deine Gebote halten; und deine Ge­bote sind Liebe. Was fordert das unbegreifliche Wesen von mir, das mich schuf? Welche sind die Befehle des Beherrschers der Welten? Liebe! er= wiedert die ganze Natur: liebe Gott, liebe dich, liebe deinen Nächsten! Ich hatte einen Vater, und ich liebte ihn; ich habe einen Freund, und mein Herz schlägt ihm entgegen; ich habe einen Wohlthäter, und meine Seele ist gerührt, wenn ich an ihn denke: und du, Gott! bist mein Va= ter, mein Freund und mein Wohlthäter, und ich follte dich nicht lieben? Menschen! wie send ihr mir alle Werth! ihr send meine Mitbrüder; und wenn ich euch umarme, so umarme ich den Ewi­gen. An diesem feyerlichen Morgen, Schöpfer aller Wefen! will ich dir also die feverlichsten Ge­lübde ablegen, daß ich deinem heiligsten Beispiele auch nachleben werde. Ich will dem Elenden hel­