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Gott ist die reinste Liebe : mein Gebet und meine Betrachtung / vom Hofrath von Echartshausen
Entstehung
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Gb 1400

20 m Morgen.

Nun fühle ich wieder, daß ich lebe; die Nacht ist vorüber, ich erwachte. Ich will also den er= sten meiner Gedanken zu dir, Allgütiger! erhe­ben, der du mir das Leben gabst, und für mich wachtest, als ich schlief. O, wie gut mußt du seyn, der du Sorge trägst für das geringste dei­ner Geschöpfe! Gut mußt du seyn, und dieser Gedanke soll nie aus meinem Herzen kommen, daß du gut bist. Wie tröstend ist er für mich! Mit welcher Wonne sehe ich nun wieder diese Welt! Alles erinnert mich deiner Güte, alles deines Wohlwollens.

Ich bin dein Geschöpf, bin dein Staub, aber belebt durch deine Allmacht. Ich fühle ein Herz in mir, das empfindet; eine Seele, die den Ein­drücken des Zutrauens und der Liebe sich öffnet. Wem soll ich also die Erstlinge meiner Empfin­dungen bringen, als dir, unbegreifliches Wesen, das mich schuf? Du bist ein Geist, und ich ein Sterblicher: begreifen kann ich dich nie, aber füh­len kann ich wohl durch deine Werke, wer du bist. Höre mich, Allgütiger! höre das Geschöpf, das zu dir ruft: Du bist die Liebe! 20