10
Gott, wie habe ich den abgeschiedenen Tag zugebracht? Zwar nicht müßig, nicht ohne Beschäftigung, aber womit habe ich mich beschäftigt? Was trug ich heute zu meiner eigenen sittlichen Ausbildung, was zum Wohle und Heile meines Nächsten bei? Mein Beruf ist, gut zu sein, in ruhiger und dankbarer Zufriedenheit die Güter zu genießen, welche mir Deine väterliche Liebe, o Gott! mitgetheilt hat; meinem Nächsten zu nützen, und voll freudiger Hoffnung an meinem und seinem zukünftigen Glücke durch einen vernünftigen Gebrauch des Gegenwärtigen, durch eine gewissenhafte Erfüllung meiner Pflichten zu arbeiten. Es fehlte mir an nichts, was mich in Stand setzen konnte, diesem meinem Berufe Genüge zu leisten. Ein gesunder Leib, ein munteres Gemüth, der nö thige Unterhalt und sogar Bequemlichkeit sind Vorzüge, welche ich heute vor Tausenden und abermals Tausenden genossen habe. Allein wje benütze ich alle diese Güter? Ach! jetzt fällt es mir zum ersten Male ein, daß ich heute der glückliche Besitzer so großer Schätze war. Unempfindlich für mein heutiges Glück habe ich voll geschäftiger Unruhe für mein morgendes gesorgt, von dem ich nicht weiß, ob ich es erle


