Bußandacht.
Schmerzgefühl über die begangenen Sünden, das man Reue nennt. Das Wesen derselben besteht in einer Verabscheuung der Sünde' als des größten Uebels, und in einer Betrübniß der Seele über dieselbe als eine Beleidigung Gottes, verbunden mit dem aufrichtigen Vorsake, sie nicht mehr zu begehen.
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Daraus ergeben sich folgende nothwendige Eigenschaften der Reue:
1) Die Reue muß eine wahre und innerliche sein; denn eine geheuchelte und bloß äußerliche, ohne Zerknirschung des Herzens, ist gar keine Reue. Darum sagte der Prophet Joel zu den Juden, die sich äußerlich reuevoll stellten, weinten und ihre Kleider zerrissen: ,, Zerreißet eure Herzen und nicht eure Kleider."( Joel 2, 13.) Auch der hat noch keine Reue über seine Sünden, welcher eine Reueformel aus dem Gebetbuche bloß mit dem Munde hersagt, ohne daß das Herz Antheil daran nimmt. Die Sünde ist in dem Herzen und in dem Willen; das Herz muß daher auch die Reue fassen, und der Wille, welcher die Sünde liebte, muß sie hassen und verabscheuen. Wo keine Reue ist, kann selbst Gott die Sünde nicht nachlassen; denn da er die wesentliche Heiligkeit ist, so muß er die Sünde hassen und nie kann er einen Menschen mit seinem Wohlgefallen begnadigen, der nicht gleich ihm die Sünde haßt und verabscheuet.
,, Ein Opfer vor Gott ist ein betrübter Geist: ein zerknirschtes und gedemüthigtes Herz wirst du, o Gott, nicht verachten." Pf. 50, 19.
2) Die Reue muß allgemein sein, sic muß sich wenigstens über alle verübten Todsünden erstrecken. Wolltest du von deiner Reue auch nur Eine schwere Sürde, etwa deine Lieblingssünde, zu der du eine


