Druckschrift 
Evangelisches Brevier in Lied und Gebet / hrsg. von Franz Schwabe
Entstehung
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XI

Was die Redaktion der einzelnen Lieder betrifft, so kam es nicht darauf an, die, wie man heut zu Tage caluminöser Weise zu sagen pflegt, unverfälschte Lesart zu bieten. Es sind vielmehr dogmatische und ethische, grobe sprachliche und ästhetische Anstöße unbe­denklich beseitigt worden. Denn ich halte weder das Menschenwort christlicher Dichter für gleichbedeutend mit unabänderlichem Gotteswort, noch die Form für das Wesen. Auch bin ich nicht der Meinung, daß die Pietät gegen die Verfasser, die zum Theil, und gerade die besten, nicht unmittelbar für die Erbauung anderer, namentlich die firchliche, sondern aus eigenstem und für eigenstes Bedürfniß gedichtet haben, verlegt werde, wenn maßvolle, den Charakter der Zeit, des Dichters und des einzelnen Gedichts streng berücksichtigende Aenderungen vorgenommen und von ihren Liedern das allzu Menschliche und die Gebrechen der Zeit an sich Tragende abgestreift wird. Vielmehr halte ich es für ein schweres Unrecht an unserm Volke, wenn man mit dem Aechten und Guten des alten Kirchenliedes zugleich auch das ihm anhaftende Falsche und Unächte, das ent­weder von vornherein Anstößige oder im Laufe der Zeit es gewordene wieder in Curs seßen will. Gerade unsre besten Kirchenlieder stammen entweder aus Zeiten noch vorhandener Naivität oder aus Zeiten des Ungeschmacks. Zwar hat von dem letztern das Kirchenlied durch eine seltene Gunst des Geschicks sich weit freier erhalten, als andere Gebiete der Literatur, ganz aber ist es doch