wieder ins Volk bringen wollten, nachdem die frühere Tradition fast ganz verloren gegangen ist, so würden wir um des guten Zweckes willen ein sehr bedenkliches Mittel wählen. Was wir durch den Glaubensinhalt gut zu machen gedächten, das würden wir auf der andern Seite durch schlechte Poesie verderben, da Schönbeitssinn und sittliches Gefühl in genauem inneren Zusammenhang stehen. Kirchenlieder sollen wohl dogmatisch correft sein, aber sie sollen nicht Dogma predigen; dafür gibt es andre Wege und andre Formen, als die des Liedes, welches wohl die durch Lehren und Thatsachen geweckte Stimmung, jene aber nur insoweit auszusprechen hat, als die Motivirung dieser erfordert. Obgleich hierüber wohl unter allen Einsichtsvollen Uebereinstimmung herrscht, so scheint es doch nicht überflüssig. immer aufs neue daran zu erinnern, da das praktische Verfahren vieler neuern und neuesten Sammlungen mit der bessern Einsicht nicht im Einklang steht. Die Aufnahme völlig poesieloser, reflektirender und betrachtender Lieder scheint mir etwa nur in dem Falle gerechtfertigt zu sein, wenn ein solches Lied sich in der Uleberlieferung bis auf heute erhalten hat, wie dieß z. B. bei dem in seinen sechs ersten Versen poetisch werthlosen, Gott, du frommer Gott" der Fall ist.
Immerhin bleiben jedoch solche allzu lehrhaften und reflektirenden Lieder, zumal, wenn sie einfach und natürlich sind, und nicht etwa auf Stelzen einhergehen, wie G. Arnolds sonst gedankenreiches ,, So führst du doch


