Druckschrift 
Hannoversches Kirchen-Gesangbuch : nebst einem Anhange, Gebetbuche und den Episteln ;
(Zum Besten des Calenberg-Grubenhagenschen Waisen-Instituts)
Entstehung
Seite
107
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Di Beschreibung

von der Zerstoͤhrung Jerusalems.

Is das vormahls von GOtt so ausserordentlich begna⸗ digte volk der Juden das

maaß seiner gehaͤuften suͤnden durch die verwerfung und kreuzi⸗ gung des unter ihnen erschiene nen Heilandes der welt erfüllet hatte; so naͤherte sich dasselbe demjenigen erschrecklichen straf⸗ gerichte immer merklicher, welches durch die propheten und den mit⸗ leidigen erloͤser selbst mit thraͤnen zuvor verkuͤndiget war, und in der gaͤnzlichen zerstoͤhrung Jerusa⸗ lems und des ganzen Juͤdischen reichs, der welt ein belehrendes denkmahl vor augen legte: wie schwer der zorn GOttes gegen be⸗ harrliche veraͤchter seiner gnade, und wie groß insonderheit die ver⸗ schuldung sey, die dieses unglück⸗ liche volk durch die vergiessung des unschuldigen und heiligen blutes JEsu Christi auf sich geladen. Josephus erzaͤhlet verschiedene vor dem ausbruche dieser gerichte Gottes hergegangene zeichen; allein die sicherste und naͤheste an⸗ zeige davon war wol das sich in dem Juͤdischen reich immer wei⸗ ter aůsbreitende gaͤnzliche verder⸗ ben. Man verließ nun voͤllig die heiligen gesetze GOttes, setzte die ganze religion nur in eine aber⸗ glaͤubische beobachtung aͤusserli⸗ cher gebraͤuche, und uͤberließ sich

mit einem frechen leichtsinn allen sst

lastern. Daher nahmen unord nungen und spaltungen in allen staͤnden immer mehr uͤberhand; Jerusalem und das ganze land waͤrd mit raͤubern und moͤrdern angefuͤllet, und die ganze nation beschleunigte ihren untergang

durch ihre eigene zerruͤttung mehr, als die gewaͤlt der Roͤmer.

Diese beherrschten seit den zei⸗ ten JEsuChristi das Juͤdische land durch landpfleger, welche durch geiz und haͤrte das Roͤmische joch den Juden noch unertraͤglicher machken. Geßius Florus, der zu⸗ lezt diese stelle verwaltete, über⸗ traf hierin alle seine vorgaͤnger. Er befoͤrderte alle unordnungen, auch selbst die oͤffentlichen raͤube reyen, wenn er nur seine unersaͤtt⸗ liche gewinnsucht dabey befriedi⸗ gen konnte; vergriff sich sogar an dem schatz des tempels, und war recht geflissen, das volk immer mehr wider die Roͤmer aufzubrin⸗ gen. Hieraus entstanden in meh⸗ reren gegenden des landes sehr blutige empoͤrungen, und Florus ließ selbst bey einem aufstande in Jerusalem uͤber 3000 Juden erschlagen, und viele der angese⸗ hensten geisseln und kreuzigen. Die Juden suchten zwar in diesen be⸗ draͤngnissen bey dem Syrischen statt halter Cestius Gallus huͤlfe; allein Florus wußte nicht nur sol⸗ che zu vereiteln, sondern auch die unruhen also zu vermehren, daß endlich Cestius genoͤthiget ward mit einem heere anzuruͤcken. Nach vielen verwuͤstungen drang er mit selbigem in Jerusalem, schloß die Juden in dem innern theil der adt und dem tempel ein, und wuͤrde dem kriege ein endegemacht haben, wenn nicht die Judenschwe rern gerichten waͤren aufbehalten gewesen. So aber verleitete Flo⸗ rus den Cestius durch list und ver⸗ raͤt herey zur verzoͤgerung/ die Ju⸗

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