Druckschrift 
Geistliches Neu-vermehrtes Altenburgisches Gesang- und Gebet-Buch : in sich haltend Den Kern Alter und Neuer Geistreichen Lieder und Gesänge D. Martin Luthers Und Anderer Christlichen Lehrer und frommer Christen / nebst einer Vorrede Herrn Carl Andreas Redels
Entstehung
Einzelbild herunterladen

1481

nein Leben, dle Sele mir geret⸗ kEt, du! O Gott! wie muß diß Bluͤck erfreun, der Retter einer Sele seyn.

12. Was seyd ihr Leiden dieser Erden doch gegen jene Herrlichkeit, e offenbart an uns soll werden, lon Ewigkeit zu Ewigkeit? Wie ichts, wie gar nichts gegen sie idoch ein Augenblick voll Muͤh.

(1328.) C. F. G.

Mel.(27.) Wer nur den lieben G.

icht, daß ichs schon ergriffen haͤt⸗ te; die beste Tugend bleibt koch schwach: Doch daß ich meine Sele rette, jag ich dem Kleinod üÜfrig nach; denn Tugend ohne Wachsamkeit verliert sich bald in Sicherheit.

2. So lang ich hier im Leibe halle, bin ich ein Kind, das strau⸗ helnd geht. Der sehe zu, daß te nicht falle, der, wenn sein Naͤch⸗ ser faͤllt, noch steht. Auch die be⸗ Kmpfte boͤse Lust stirbt niemals anz in unsrer Brust.

3. Nicht sede Beßrung ist die

Tugend: Oft ist sie nur das Werk ler Zeit; die wilde Hitze roher Ju⸗ lend wird mit den Jahren Sitt⸗ semkeit, und was Natur und Zeit zethan, sieht unser Stolz fuͤr Tu⸗ tend an. 4. Oft ist die Aendrung deiner Selen ein Tausch der Triebe der Natur. Du fuͤhlst, wie Stolz Ind Ruhmsucht quaͤlen und dämyfst sie; doch du wechselst nur: Dein Herz fuͤhlt einen andern Reitz, dein Stolz wird Wollust Ider Geitz.

5. Oft ist es Kunst und Eigen⸗ lebe, was andern strenge Tugend sheint. Der Trieb des Neids, ler Schmaͤhsucht Triebe erweckten zir so manchen Feind: Du wirst lehutsam, schraͤnkst dich ein, fliehst licht die Schmaͤhsucht, nur den Gchein.

Zweeter Anhang.

14³½⁹

6. Du denkst, well Dinge dich nicht ruͤhren, durch die der andern Tugend faͤllt, so werde nichts dein Herz verfuͤhren; doch jedes Herz hat seine Welt. Den, welchen Stand und Gold nicht ruͤhrt, hat oft ein Blick, ein Wort verfuͤhrt.

7. Oft schlaͤft der Trieb in dei⸗ nem Herzen, du scheinst von Rach⸗ sucht dir befrent: jetzt sollst du eine Schmach verschmerzen, und sieh', dein Herz wallt auf und draͤut, und schilt so liebloß und so hart, als es zuerst gescholten ward.

8. Oft denkt, wenn wir der Stille pflegen, das Herz im Stil⸗ len tugendhaft. Kaum lachet uns die Welt entgegen, so regt sich unsre Leidenschaft: Wir werden im Geraͤusche schwach, und geben endlich strafbar nach.

9. Du opferst GOtt die leichtern Triebe durch einen strengen Lebens⸗ lauf; doch opferst du, wills seine Liebe, ihm auch die liebste Nei⸗ gung auf? diß ist das Auge, diß der Fuß, die sich der Christ ent⸗ reißen muß.

10. Du fliehst, geneigt zu Ruh und Stille, die Welt, und liebst die Einsamkeit; doch bist du, foderts GOttes Wille, auch dieser zu ent⸗ fliehn bereit? dein Herz haßt Hab⸗ sucht, Neid und Zauk; fliehts Unmuth auch und Muͤßiggang?

II. Du bist gerecht; denn auch bescheiden? liebst Maͤßigkeit; denn auch Geduld? Du dienest gern, wenn andre leiden; vergiebst du Feinden auch die Schuld? von allen Lastern sollst du rein, zu aller Tugend willig seyn.

12. Sey nicht vermessen, wach und streite; denk nicht, daß du schon gnug gethan. Dein Herz hat seine schwache Seite, die greift der Feind der Wohlfahrt an; die Sicherheit droht dir den Fall, drum wache stets, wach uͤberall!

(13299