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Evangelisches Gesangbuch für Elsaß-Lothringen
Entstehung
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Von den Worten und Weisen des Gesangbuches

Wolfgang Dachstein und Matthäus Greyter, die einige der berühmtesten evangelischen KMirchenmelodien geschaffen haben, besonders die zu den CiedernAn Wasserflüssen Babylon(40 41 176) undEs sind doch selig alle die(45 80 167 370 385). Wie diese LCieder bald weit über die Grenze der Kirchen deutscher Sunge hinaus Verbreitung fanden, so schenkte uns die französische Mirche mehrere Weisen, deren ernste kinmut zu dem Schönsten gehört, was wir im evangelischen Kirchengesange besitzen(55 84 107 155 215 229 256 258 260 291 295 294 308 322 325 326 ᷣ331 357 555 557 581). Rus der katholischen Kirche aber empfingen wir durch den größten deutschen Tonmeister seiner Seit, Heinrich Isaah, eine Weise,O Welt, ich muß dich lassen, die seither von der Ge meinde mit besonderer Vorliebe gesungen(55 118 136 140 143 309 511 515 541 409) und von den größten Tonmeistern als eine unvergleichliche Schöpfung gepriesen ist. Und ein nicht minder großer Meister, hans Leo Haßler, fügte dazu etwa ein halbes Jahr hundert später die uns gleich teure, unsterblich schöne WeiseHerz⸗

lich tut mich verlangen(50 169 185 245 285 500 353 335).

Eine Seit des Blutes und der Cränen, der Verarmung und tiefer

Verzagtheit brach über Deutschland herein mit dem furchtbaren

dreißigjährigen Kriege, welcher mit seinen Vorbereitungen und Nachwehen dem größeren Teile des siebzehnten Jahrhunderts sein trauriges Gepräge gab. Man wagte kaum zu hoffen, daßdie jetzo unter den Waffen gleich als erstichten und in den Rot getretenen Künste durch Gottes Güte zu voriger Würde und Wert wieder er hoben werden möchten. Aber gerade diese Seit hat der evange lischen Kirche den größten und reichsten Schatz edler Cieder und Weisen geschenkt. Not lehrt beten, und nicht die Tage der Ruhe und des Sonnenscheins, sondern die des Kreuzes und der Tränen sind es, die den Blick himmelan richten und die hoffnung auf das unsichtbare Reich Gottes fest machen. Eine schier unübersehbare Menge von Dichtern und Sängern hat diese Seit hervorgebracht, die hier miteinander aufzuzählen unmöglich ist. Aber man blättere das Gesangbuch durch und sehe sich die Jahreszahlen an, die nicht ohne Grund über die Weisen und unter die verse gestellt sind; die können uns sagen, ob jene Dichter und Sänger auch die große Leidenstaufe unseres Volkes erhalten haben und zu denen gehören, die daraus hervorgegangen sind mit dem Bekenntnisse des geseg⸗ netsten unter ihnen:

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r. V