10 Belehrungen.
daher nicht bloß glauben, sondern auch Gott über Alles lieben und diese Liebe dadurch beweisen, daß wir seine Gebote halten. Das können wir aber nur mit seiner Gnade, die er Denjenigen schenkt, die nicht vermessentlich auf ihre eigene Kraft vertrauen, sondern auf seine Barm⸗ herzigkeit hoffen. Zu dem Glauben muß daher die Hoffnung und die Liebe hinzukommen.
Von der Tugend der Hoffnung.
Aus dem Glauben entspringt die Hoffnung. Die⸗ selbe besteht in dem aufrichtigen Verlangen nach der ewigen Seligkeit, d. h. nach der Anschauung und dem Be⸗ sitze Gottes im Himmel. Wer nach diesem seinem letzten Ziel und Ende nicht verlangt, sondern seine Glückseligkeit
in den irdischen Ehren, Reichthümern und Freuden sucht,
dem fehlt die Tugend der Hoffnung; er lebt wie die Hei⸗ den, die keine Hoffnung haben.(1. Thess. 4, 12.) Mit diesem Verlangen muß verbunden sein das zu ver⸗ sichtliche Vertrauen, die ewige Seligkeit durch die Gnade Gottes um der unendlichen Verdienste Jesu Christi willen auch wirklich zu erlangen; und ge⸗ rade in diesem Vertrauen besteht hauptsächlich die Hoffnung.
Die christliche Hoffnung muß drei Eigenschaften haben.
1) Sie muß sich einzig auf Gott, auf seine All⸗ macht, Barmherzigkeit und Treue, und auf die unendlichen Verdienste Jesu Christi stützen. Der Herr ist mein Helfer, auf ihn will ich hoffen.(Ps. 17,3.) Wir sollen unser Vertrauen nicht auf Menschen noch auf uns selbst, auf unsere eigene Kraft und unser eigenes
Verdienst setzen, wie die selbstgerechten Pharisäer thaten,
und auch heut zu Tage so manche selbstgerechte, tugend⸗ stolze Christen thun. Wie können wir auch auf uns selbst vertrauen, da wir nicht das Geringste, was uns zum ewigen Heile dient, ohne die Gnade Jesu Christi ver⸗ mögen? Ohne mich könnet ihr nichts thun.(Joh. 15,5.) Wie können wir auf uns vertrauen, da wir über⸗ dies so sündhaft, so schwach, so zum Bösen geneigt sind und schon so oft unsere Schwäche und Armseligkeit er⸗ fahren haben? Darum vertrauen wir nicht auf
uns selbst, sondern auf Gott.(2. Cor. 1, 9.)


