Druckschrift 
Katholisches Gebet- und Gesangbuch für die Diöcese Mainz / hrsg. im Auftrag des Hochwürdigsten Herrn Wilhelm Emmanuel, Bischof des heiligen Stuhles von Mainz
Entstehung
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Von der Tugend der Hoffnung.

2) Die zweite Eigenschaft der christlichen Hoffnung ist die Festigkeit. Mit dem allerfestesten, mit einem ganz unbegrenzten Vertrauen sollen wir auf Gott hoffen. Je größer unser Vertrauen, um so vollkommener und Gott wohlgefälliger ist unsere Hoffnung. Dagegen gibt es keine größere Sünde gegen die Hoffnung, als an der göttlichenBarmherzigkeitzu verzweife In, wie Kain und Judas thaten und deßwegen ewig zu Grunde gingen. Darum hinweg mit jedem Verzagen, mit Zweifel an der göttlichen Erbarmung, weg mit jedem Kleinmuth! Sind wir noch so schwach, wir sollen vertrauen; unsere Hoffnung gründet sich ja nicht auf unsere Stärke, sondern auf Gott, der stark ist in den Schwachen. Sind wir noch so große Sünder, wir dürfen nicht verzagen; unsere Hoffnung gründet sich ja nicht auf unsere Gerechtigkeit, sondern auf Gottes Barmherzigkeit, und auf Jesus Christus, der in diese Welt gekommen ist, um die Sünder selig zu machen.(1. Tim. 1, 15.) Sind wir von noch so großen Gefahren umgeben, wir werden nicht wanken; denn Gott ist mit uns. Sprechen wir daher mit David: Und wenn sichHeerlager gegen mich erheben, so wird mein Herz sich nicht fürchten;(Ps. 26, 3.) und mit dem frommen Dulder Job: Und wenn Gott mich tödtet, will ich an ihn hoffen;(Job 13, 15.) und mit dem heiligen Paulus: Ich bin versichert, daß weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, noch Ge⸗ walten, weder Gegenwärtiges, noch Zukünf⸗ tiges, weder Stärke, weder Höhe noch Tiefe, noch ein anderes Geschöpf uns zu scheiden ver⸗ mag von der Liebe Gottes, die da ist in Chri⸗ sto Jesu, unserem Herrn.(Röm. 8, 38. 39.)

3) Aber so fest und zuversichtlich unsere Hoffnung auch ist, so darf sie dennoch nicht vermessentlich sein, sondern sie muß verbunden sein mit heilsamer Furcht. Es wäre vermessentlich, die Vergebung der Sünden und die ewige Seligkeit zu hoffen, wenn wir uns nicht von unseren Sünden bekehren, die Gebote Gottes nicht halten, nicht im Guten beharren, die Mittel nicht gebrauchen wollten, durch welche Gott uns seine Gnade verleiht, nämlich das Gebet und die heiligen Sakramente. Diese Vermessenheit ist eine ebenso große Sünde gegen die Hoffnung, als die Verzweiflung. Die Verzweiflung ver⸗