Natur und Ernte
2 Du schlummerst nun entkleidet; kein Lamm und Schäflein weidet auf deinen Aun und Höhn.
Der Vöglein Lied verstummet, und keine Biene summet; doch bist du auch im Schlummer
schön.
3 Die Zweig und Astlein schimmern, und tausend Lichter flimmern, wohin das Auge blickt.
Wer hat dein Bett bereitet,
die Decke dir gespreitet
und dich so schön mit Reif ge⸗ schmückt?
4 Der gute Vater droben hat dir dein Kleid gewoben, er schläft und schlummert nicht. So schlummre denn in Frieden! Der Vater weckt die Müden zu neuer Kraft und neuem Licht.
5 Bald in des Lenzes Wehen wirst du verjüngt erstehen
zum Leben wunderbar!
Sein Odem schwebt hernieder; dann, Erde, stehst du wieder
mit einem Blumenkranz im Haar!
Friedr. Adolf Krummacher, 1767—1845 Wir pflügen und wir
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den Samen auf das Land, doch Wachstum und Gedeihen steht in des HDimmels Hand: der tut mit leisem Wehen
sich mild und heimlich auf
Eigene Weise
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und träuft, wenn heim wir gehen, Wuchs und Gedeihen drauf.
Alle gute Gabe kommt her von Gott, dem Herrn, drum dankt ihm, dankt, und hofft auf ihn!
2 Er sendet Tau und Regen und Sonn und Mondenschein und wickelt seinen Segen gar zart und künstlich ein und bringt ihn dann behende in unser Feld und Brot: es geht durch unsre Hände, kommt aber her von Gott.
Alle gute Gabe usw.
3 Was nah ist und was ferne, von Gott kommt alles her, der Strohhalm und die Sterne, das Sandkorn und das Meer. Von ihm sind Büsch und Blätter und Korn und Obst, von ihm das schöne Frühlingswetter und Schnee und Ungestüm.
Alle gute Gabe usw.
4 Er läßt die Sonn aufgehen, er stellt des Mondes Lauf; er läßt die Winde wehen und tut die Wolken auf. Er schenkt uns soviel Freude, er macht uns frisch und rot; er gibt den Kühen Weide und unsern Kindern Brot.
Alle gute Gabe usw.
Matthias Claudius, 1740—1815


