74 Erinnerung und Trost für Unfruchtbare.
wohn, Neid und Mißgunst hüten, wenn etwa die Freunde, Brüder und Schwestern schon nach der künftigen Erbteilung fragen und trachten, sondern aufrichtig in der Liebe gegen⸗ einander verharren, die Ohrenbläser abweisen, und auch in den irdischen Gütern nach der Billigkeit und Liebe, wenn es ja einmal sein muß, eine Verordnung machen.
9) Läßt Gott es frommen Eheleuten an Kindern fehlen, so sollen sie desto mehr in der Liebe Jesu zunehmen, und da die, so Kinder haben, oft am Gebet, am Gottesdienst und Er⸗ bauung durch die Kinder gehindert werden, so können sie desto mehr dem Dienste Gottes ungehindert und ungestört sich widmen.
10) Schenkt Gott christlichen Eheleuten keine leiblichen Kinder, so sollen sie desto mehr die Armen sich lassen empfohlen sein, frommen Kindern Gutes tun, sie kleiden, zur Schule anhalten, zu ihrer Erziehung helfen, welche Kinder dann solche Eheleute am jüngsten Tage als Vater und Mutter preisen und vor Gott rühmen werden: Diese haben mich gekleidet, gespeiset und getränket. Matth. 25.
11) Gott gibt aus Liebe und Gnade frommen Eheleuten zuweilen keine Kinder, auch darum, weil er siehet, daß künftig schreckliche Landplagen und Strafen über eine Stadt und Land einbrechen werden. Wenn er nun die Frommen vor dem Un- glück wegrafft, und seine lieben Kinder, ehe das Sturmwetter der Trübsal kommt, schlafen legt, wie er solches dem Hiskias verheißen und dem heiligen Augustinus erwiesen, welches aller⸗ dings eine große Gnade Gottes ist, so ist es ja eine Wohltat, wenn Gott keine Kinder gibt, damit sie den Jammer, der über die Welt kommen soll, wie in der Sündflut geschah, nicht erleben und erfahren.
12) Endlich mögen Eheleute auch wohl bedenken, ob sie die Kinder auch als eine Gabe Gottes, wie denn Kinder in der Tat sind, halten. Meinen sie, es sei eine Naturgabe, welche sie selbst befördern könnten, so fehlen und irren sie, und will ihnen durch Vorenthaltung des Ehesegens Gott zeigen, daß es nicht bei ihnen stehe, sondern daß es eine Gabe sei, darum er will gebeten sein. Wenn hier christliche Ehe— leute mir wollten entgegensetzen, daß Hurer und Huren wohl nicht darum bitten und doch Kinder zeugen und bekommen, so antworte ich: Bei denen läßt Gott der Natur ihren Lauf, zur Offenbarung ihrer Schande, weil sie nicht zusammen-— kommen, Gott zu Ehren Kinder zu zeugen, sondern ihre böse Brunst und Lust abzukühlen. So sollen es also hier gott—
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