7³ Erinnerung und Trost für Unfruchtbare.
zuschließen, wenn der Herr öffnet. Ist aber diese Vorent— haltung des Ehesegens Gottes gnädiger Wille, so haben solche Eheleute eine Probe ihrer Geduld, Gelassenheit und Hoff⸗ nung zu beweisen.
3) Unfruchtbarkeit ist kein Zeichen des Zornes Gottes; denn daß Gott nicht zornig über sie sei, sollen sie daher ab⸗ nehmen, weil es ihnen Gott an andern Wohltaten nicht fehlen läßt; er gibt ihnen leibliche Gaben, Gesundheit, Segen, Nahrung, Wohlergehen, welches alles er zuweilen denen, die Kinder haben, nicht so reichlich erteilet, sondern Krankheit, Kinderkreuz und Elend ihnen reichlich zumißt. Gott gibt ferner denen, welche ohne Kinder sind, die himmlischen Gaben, als Freude in Gott, Frieden mit Gott, die Gerechtigkeit Jesu Christi, Trost und Wonne. Dadurch sie ja abermals über⸗ zeugt werden, daß Gott nicht zornig über sie sei; denn wer unter Gottes Zorn und Ungnade steht, der muß gewiß der himmlischen Gnade entbehren.
4) Es sollen unfruchtbare Eheleute gedenken, daß Gott auch hierin ihnen eine besondere Gnade erweise, und ihres Leibes und Gemüts Zustand besser erkenne, als sie selbst; denn obgleich viele Ehefrauen die Kinder liebhaben, so findet sie Gott doch vielleicht zu schwach, sowohl in der Geburt, als in der Erziehung der Kinder, als auch im Kinderkreuz; vielleicht würde das Kind ihr und ihrem Ehemanne viele Zerstreuungen und Sorgen verursachen, die sie an ihrem Gebet und Gottesdienst hindern, vielleicht würde das Kind viel Betrübnis machen, wenn es Gott nach seinem Rate wieder sterben ließe; darum, weil Gott die Stärke und Schwachheit der Menschen besser kennt, als sie selbst, so er⸗ weiset er ihnen darin eine besondere Gnade, welche sie doch aus Unverstand für keine Gnade halten.
5) Besonders aber sollen sich Eheleute wohl hüten, daß sie keine Kinder von Gott mit Murren und Grämen und mit ungeduldigem Flehen erzwingen wollen, denn sonst gibt ihnen Gott im Zorn Kinder; vielleicht muß die murrende Mutter ihr Leben oder Gesundheit darüber verlieren, oder wenn das nicht geschieht, so gerät ein solches im Zorn gegebenes Kind so übel, daß es den Eltern tausend Schrecken, Jammer, Ver⸗ druß und Herzeleid anrichtet, und sie ihr Leben lang in Angst, Betrübnis und Traurigkeit setzet, welches Früchte ihrer un⸗ verständigen Bitte sind. Wie mancher im Unverstand er⸗
betene Sohn ist seines Vaters Grab und seiner Mutter Geißel geworden.


