8 Lebenslauf des Verfassers.
Pfarrer, der die Predigt seines Amtsgenossen mit angehört hatte, so herzlich und innig beten sah. Damals gereichte es ihm zur Beschämung in seinem Gewissen; aber zugleich regte sich in dem Knaben eine Ahnung dessen, was der Mann werden sollte. Wer denkt hier nicht an den zwölfjährigen Jesus? Allerdings erst auf der Universität kam es mit seinem geist— lichen Leben zum Durchbruch, und zwar durch den Unterricht und die Erbauungsstunden der trefflichen Professoren May und Lange, die entscheidenden Einfluß auf sein inneres Leben übten. Durch sie wurde er insbesondere für die geistige Be— wegung des Pietismus gewonnen, um dann einst im Geiste eines Arndt und Spener zu wirken.
Nach Beendigung seiner Studien begab sich Starck nach Frankfurt, um zuerst als Hauslehrer und sodann als Predigt-— amtskandidat Dienste zu tun. Er hatte hauptsächlich im Armen- und Waisenhaus zu predigen, eine gesegnete Vor— schule für sein späteres Wirken im Hospital zum heiligen Geist. Eine andere wertvolle Fügung für ihn war ein Ruf nach Genf, wo er 1709—1711 als Helfer der dortigen evan⸗ gelischen Gemeinde angestellt war; sowohl der Aufenthalt in Genf, als die Rückreise über Paris und Straßburg trug reiche geistige Frucht.
Nach Frankfurt zurückgekehrt, konnte Starck seinen Posten am Armenhause wieder aufnehmen und zugleich eine Stelle als Hauslehrer bei einem frommen Patrizier bekleiden. Schon 36jährig wurde er endlich 1715 ins Pfarramt berufen, indem er zum Stadtprediger in Sachsenhausen, dem Vorort Frank— furts, gewählt wurde. Die einstimmig erfolgte Wahl war ihm ein Zeichen göttlicher Berufung und ein Quell innerer Freu— digkeit. Der Text seiner Probepredigt, die Stelle Ezech. 33,11: „Ichl habe keinen Gefallen am Tode des Gottlosen,“ war für
Starcks Auffassung von der Aufgabe des geistlichen. Amts bezeichnend; ihm entsprach sein ganzes pfarramtliches Wirken. Die Berührung mit den Sachsenhäusern, die damals noch ganz in ihrer urwüchsigen Derbheit standen, brachte ihm den ungemeinen Gewinn, daß er in jener edlen Volksmäßigkeit
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