186 Beschreibung der Zerstörung
20 000 Idumäern unterstützt, des Tempels sich bemächtigt hatte.
Diese drei Parteien bekämpften sich gegenseitig mit Schwert, Feuer
und Dolch. Der Hohepriester Ananias, den Josephus als den besten
Mann seiner Zeit schildert und der Eintracht herzustellen suchte, ward
nebst 12 000 angesehenen Einwohnern umgebracht. Johannes von
Giscala drang mit seinen Bewaffneten in den Tempel ein, den Ele⸗ asar geöffnet hatte, um das Volk zum Opfer zuzulassen, bemächtigte sich des Tempels und richtete ein entsetzliches Blutbad an, worin Tausende umkamen, wie jene Galiläer, deren Blut Pilatus samt ihrem Opfer vermischt hatte. Tag und Nacht hörte man nichts alz das Geschrei der Kämpfenden und den Jammer der Trauernden. Die Töchter Jerusalems weinten über sich selbst und über ihre Kinder.
Inzwischen hatte nun auch Titus die Stadt von außen belagert und an allen Orten geängstet. Am 15. Tage stießen die Römer mit ihren Sturmböcken, die ein Rabbiner jener Zeit das Schwert des Würgengels nennt, die äußerste Mauer ein; und 9 Tage nachher ward auch die innere Mauer erobert. Die Römer drangen in den zunächst gelegenen Teil der Stadt, und Ströme Bluts flossen in den engen Gassen. Darauf richtete Titus seinen Angriff gegen den Tem⸗ pel und die Burg Antonia. Um den Tempel zu erhalten und das Blutvergießen zu vermeiden, ließ er zuvor den Juden Frieden an⸗ bieten, wenn sie sich ergeben wollten. Allein die Juden wollten nichtz von einer Übergabe wissen. Und doch war die Not in der Stadt aufs höchste gestiegen. Eine furchtbare Hungersnot peinigte die Ver⸗ teidiger. Bewaffnete drangen in alle Häuser, Lebensmittel aufzu⸗ suchen. Eltern und Kinder rissen einander die Speise vor dem Munde weg. Man aß das Leder der Schuhsohlen und die Riemen an den Schilden. Man suchte in den Düngerhaufen nach Knochen. Leichen Verhungerter lagen in den Straßen und verpesteten die Luft. Ja, es geschah, was Moses auch zuvor verkündigt hatte: Eine vornehme Frau,„ein Weib, das zuvor zärtlich und in Lüsten gelebt, daß sie nicht hat versucht, ihre Füße auf die Erde zu setzen vor Zärtlichkeit und Wohllust, hat ihr eigen Kind heimlich geschlachtet und gegessen in dem Mangel, Angst und Not, womit die Stadt von den Feinden gedrängt ward.“ Als dies Titus hörte, hob er seine Hände gen Him⸗ mel und rief Gott zum Zeugen an, daß er unschuldig an diesen Greueln sei, da er wiederholt Frieden angeboten habe. Viele Juden in Jerusalem suchten dem Elend dadurch zu entgehen, daß sie des Nachts heimlich aus der Stadt flohen. Allein sie wurden von den Römern ergriffen und fanden keine Gnade bei ihnen. Als sich einst
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