210 Die Geschichte des Leidens, Sterbens und der Auferstehung
nach, setzten sich gegen das Grab und beschaueten, wohin und wie sein Leib gelegt ward. Sie kehrten aber um, und bereiteten Spezerei und Salben. Und den Sabbath über waren sie stille nach dem Gesetz.
Des andern Tages, der da folgt nach dem Rüsttage, kamen die Hohen⸗ priester und Pharisäer sämtlich zu Pilato, und sprachen: Herr, wir haben gedacht, daß dieser Verführer sprach, da er noch lebte: Ich will nach dreien
agen auferstehen. Darum befiehl, daß man das Grab verwahre bis an den dritten Tag, auf daß nicht seine Jünger kommen und stehlen ihn, und sagen zum Volke: Er ist auferstanden von den Toten; und werde der letzte Betrug ärger denn der erste. Pilatus sprach zu ihnen: Da habet ihr die Hüter; gehet hin und verwahret es, wie ihr wisset. Sie gingen hin, und verwahrten das Grab mit Hütern, und versiegelten den Stein.
Sechste Abteilung. Die Auferstehung und Himmelfahrt Jesu.
Zur Ersparung des Raums ist das in den Evangelien hievon Enthaltene nur dem Inhalte nach angeführt, das übrige aber in harmonischer Ordnung ausführlich beigefügt worden.
Als die im vorigen Abschnitt benannten gottseligen Weiber und etliche mit ihnen an dem ersten Sabbather(d. i. Wochentage) mit dem Anbruch des Tages sich nach dem Grabe Jesu begaben, um ihn mit den zubereiteten Spezereien zu salben, wird noch vor ihrer Ankunft das Grab Jesu bei seiner Auferstehung unter einem Erdbeben durch einen Engel zur großen Bestürzung der Hüter eröffnet.
Siehe das Evangelium am 1. Ostertage, vergl. mit Matth. 28 und Luc. 24, 1.
Unter ihnen kommt Maria Magdalena zu dem Grabe und siehet, daß der Stein vom Grabe hinweg war. Da läuft sie, kommt zu Simon Petro und dem andern Jünger, welchen Jesus lieb hatte, und spricht zu ihnen: Sie haben den HErrn weggenommen aus dem Grabe, und wir wissen nicht, wo sie ihn hingelegt haben.
Auch die übrigen Weiber sehen den Stein abgewälzt und gehen hinein in das Grab, wo sie den Leib Jesu nicht finden, aber zu verschiedenen Malen durch Engel die Versicherung seiner Auferstehung und den Auftrag erhalten, solche seinen Jüngern zu verkündigen.
Siehe das Evangelium des 1. Ostertages, vergl. mit Matth. 28 und Luc. 24, 2—11.
Unterdessen ging Petrus und der andere Jünger auf die von der Maria Magdalena erhaltene Nachricht hinaus und kamen zum Grabe. Es liefen aber die zween miteinander, und der andre Jünger lief zuvor, schneller denn Petrus, und kam am ersten zum Grabe, gucket hinein, und siehet die Leinen gelegt; er ging aber nicht hinein. Da kam Simon Petrus ihm nach, und ging hinein in das Grab, und siehet die Leinen gelegt, und das Schweiß⸗ tuch, das Jesu um das Haupt gebunden war, nicht bei die Leinen gelegt, sondern beiseits, eingewickelt, an einem besondern Ort; und es nahm ihn wunder, wie das zuginge. Da ging auch der andre Jünger hinein, der am ersten zum Grabe kam; und sah, und glaubte es. Denn sie wußten die
Schrift noch nicht, daß er von den Toten auferstehen müßte. Da gingen die Jünger wie er zusammen.


