110 Abendgebete.
Wohl dem, der sie findet. Laß sie gefunden werden von dem, der vor Sorgen auf seinem Lager sich hin und her wirft, wie von dem, der vor Schmerzen sich windet.
Willkommen, feierliche Stille! Gott, durch dein Wachen und Walten in dieser Einsamkeit geschieht es, daß die Nacht mit jeder Stunde weiter immer ernster wird. Be⸗ gegne mit deinem Schrecken dem, der auf schlechten Wegen geht; laß mit jedem Geräusch deine Furcht aufsteigen in dem Bösen, damit die Guten in Frieden schlafen.
Dir befehl' ich mich in deinen Schutz, himmlischer Vater; in den Armen der Allmacht laß mich ruhen. Mit mir die Meinigen, die du dir auch wollest befohlen sein lassen zu einer guten Nacht. Erhöre mich. Amen.
(Cl. Harms. Schlesw.⸗-Holst. Gesangbuch.)
5. Erhöre, o allwissender Gott, mein Gebet und verbirg dich nicht vor meinem Flehen. Es ist Abend ge⸗ worden, und der Tag hat sich geneigt; darum bitte ich dich, bleibe bei mir und behüte mich, wie du auch den Tag über alles wohl gemacht hast. Deiner Liebe bin ich zwar nicht wert; denn mein Thun und Lassen ist mit Sünde befleckt; aber wenn auch bange Sorge und Furcht mich erfüllt, so leuchtet deine Gnadensonne noch über mir. Darum nahe ich mich dir in Reue und Demut, flehe um Vergebung für alles Unrecht, das ich verschuldet habe, und gelobe Besserung meines Herzens und Lebens. Ver⸗ leihe mir dazu, mein Gott, die rechte Erkenntnis und Beharrlichkeit, heilige du mich, damit mein Geist samt Seele und Leib unsträflich behalten werde auf die Zukunft unsers Herrn Jesu Christi. Nimm mein Herz und bilde es nach deinem Sinn. An dir will ich Tag und Nacht hangen, in deiner Liebe will ich einschlafen, und wenn ich aufwache, will ich mich freuen, daß ich bei dir bin. Wenn dein Angesicht mir leuchtet, so ist die Finsternis wie das Licht und die Nacht leuchtet wie der Tag. Sei du demnach mein Licht, mein Heil und meines Lebens Kraft. Ohne deinen Willen kann mir nichts begegnen. Es sei nun Glück oder Unglück, Freude oder Trauer, die mich heimsuchen, so ergebe ich mich in kindlicher Ehrfurcht deinen heiligen Führungen; ich weiß, daß du es treu mit mir meinst und väterlich mit mir verfährst. Wer ist jemals zu Schanden geworden, der auf dich gehofft hätte? Wer
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