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Gesangbuch für die evangelisch-lutherischen Gemeinden des Herzogthums Oldenburg : [nebst] Die evangel. u. epistol. Texte
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Abendgebete. 111

war jemals verlassen, der in deiner Furcht verblieben ist? Wer hat jemals im Elend des Trostes entbehrt, der dich angerufen hat? So wende dich denn auch zu mir und nimm dich meiner an, daß ich nicht verderbe. Meine Erkenntnis ist unvollkommen, mein Thun und Lassen ist mangelhaft, mein Glaube ist wankend, mein Hoffen ver⸗ änderlich, und keiner Ansprüche kann ich mich rühmen, die mir Anspruch geben auf die ewige Seligkeit. Nur wenn ich deiner ewigen Gnade und Barmherzigkeit gedenke, bin ich getröstet und blicke freudig gen Himmel, wo ein treues Vaterherz mich vom ewigen Tode erlöset und zum Leben berufen hat. Dank sei dir für alles, was du an mir gethan hast und noch thust; Dank für die unaussprechliche Liebe, unter deren Schutz ich auch diese Nacht sicher ruhe. Blicke hell auf mich hernieder, großer Herr der Herr lichkeit, wenn des Schlafes Nachtgefieder uns umhüllt in Dunkelheit. Laß uns all' in Frieden ruhn, keinen heimlich Böses thun, denn die reinen Engel schweben wachend über unserm Leben. Amen.(Aus Grönings Gebetbuch.)

6. Hier erscheine ich vor dir, mein Vater, um mit dankerfülltem Herzen dich für die unzähligen Wohlthaten zu preisen, womit deine Hand auch heute mich überschüttet hat. Deine Gnade ist es, durch die ich war und lebte. Von dir kam die Kraft zu jedem guten Geschäfte, von dir der Segen, der es begleiteke Leben und Wohlthat hast du an mir gethan; dein Aufsehen bewahrt meinen Odem. Dafür danke ich dir, mein Gott, und erhebe deinen Namen. Möchte ich dir doch eben so angenehm sein, als du mir gnädig warst! Möchte ich doch keines der Gelübde gebrochen haben, wodurch ich mich an dem Morgen des vergangenen Tages vor deinem Angesichte mit dir aufs neue verband. Aber, Herr, allwissender Gott, wie könnte ich vor dir meine Schwäche verhehlen? Wie manche Ge⸗ legenheit zum Guten habe ich auch heute ungenutzt gelassen; wie viele meiner Kräfte nicht so angewandt, daß ich mir getrauen dürfte, dir einst Rechenschaft davon abzulegen! Ach handle nicht mit mir nach meinen Sünden, vergilt mir nicht nach meinen Missethaten! Um deines Sohnes, meines geliebten Erlösers willen, verzeihe mir die Über⸗ tretung dieses und aller verflossenen Tage meines Lebens.