10 Am Sonntage Seragesimaͤ.
ward, sprach der Herr des Weinbergs zu seinem Schaffner: Rufe den Arbei⸗ tern, und gib ihnen den Lohn, und bebe an, an den Letzten bis zu den Ersten. Da kamen die um die eilfte Stunde gedinget waren, und empfieng ein jeglicher seinen Groschen. Da aber die ersten kamen, meineten sie, sie wuͤrden mehr empfangen, und sie empfiengen auch ein jeglicher seinen Groschen. Und da sie den empfiengen, murrten sie wider den Hausvater, und sprachen: Diese letzten haben nur eine Stunde gearbeitet, und du hast sie uns gleich gemacht, die wir des Tages Last und Hitze getragen haben. Er antwortete aber, und sagte zu einem unter ihnen: Mein Freund, ich thue dir nicht unrecht; bist du nicht mit mir eins worden um einen Gro⸗ schen? Nimm, was dein ist, und gehe hin. Ich will aber diesen letzten geben, gleich wie dir; oder habe ich nicht Macht zu thun, was ich will, mit dem Meinen? siehest du darum scheel, daß ich so guͤtig bin? Also werden die Letzten die Ersten, und die Ersten die Letzten seyn. Denn viele sind beru⸗ fen, aber wenig sind auserwaͤhlet.
Epistel, 1 Cor. 9, v. 24 bis Cap. 10, v. 5.
Wisse ihr nicht, daß die, so in
den Schranken laufen, die laufen alle, aber einer erlanget das Kleinod? Laufet nun also, daß ihr es ergreifet. Ein jeglicher aber, der da kaͤmpfet, enthaͤlt sich alles Dinges: jene also, daß sie eine vergaͤngliche Krone empfangen, wir aber eine unvergaͤngliche. Ich laufe aber also, nicht als aufs Ungewisse: Ich fechte also, nicht als der in die Luft streichet. Sondern ich betaͤube meinen Leib, und zaͤhme ihn, daß ich nicht den andern predige, und selbst verwerflich werde. Ich will euch aber, lieben Bruͤder, nicht verhalten, daß unsere Vaͤter sind alle unter der Wolken gewesen, und sind alle durchs Meer gegangen, und sind alle unter Mosen getauft, mit der Wolke und mit dem
Meer, und haben alle einerlei geist⸗
liche Speise gessen, und haben alle einerlei geistlichen Trank getrunken. Sie trunken aber von dem geistlichen Fels, der mitfolgete, welcher Felz war Christus. Aber an ihrer viklen hatte Gott keinen Wohlgefallen, denn sie sind niedergeschlagen in der Wüsten.
Evangelium am Sonntage Sexagesimaͤ, Luc. 8, v. 4⸗15.
De nun viel Volks bei einander war, und aus den Staͤdten zu
ihm eileten, sprach er durch e Gleichniß: Es gieng ein Saͤemann aus zu saͤen seinen Saamen, un indem er saͤete, fiel etliches an den Weg und ward vertreten, und die Voͤgel unter dem Himmel fraßenz auf. Und etliches fiel auf den Felz, und da es aufgieng, verdorrete e, darum, daß es nicht Saft hatte. Und etliches fiel mitten unter di Dornen, und die Dornen giengen mit auf, und ersticktens. Und etliches fiel auf ein gut Land, und es gieng auf, und trug hundertfaͤltige Frucht Da er das sagte, rief er: Vur Ohren hat zu hoͤren, der hoͤre. fragten ihn aber seine Jünger, un sprachen, was dieses Gleichniß waͤre? Er aber sprach: Euch istz gegeben zu wissen das Geheimniß des Reichs Gottes, den andern aher in Gleichnissen, daß sie es nicht sehen, ob sie es schon sehen, und nicht verstehen, ob sie es schon hoͤren Das ist aber dies Gleichniß: Dn Same ist das Wort Gottes. Di aber an dem Wege sind, das sihh, die es hoͤren; darnach koͤmmt du Teufel, und nimmt das Wort vnn ihrem Herzen, auf daß sie nicht glau⸗ ben und selig werden. Die aber auf dem Fels sind die, wenn sie es hörnn nehmen sie das Wort mit Freudh an; und die haben nicht Wursh eine zeitlang glauben sie, und zu dn Zeit der Anfechtung fallen sie gh. Das aber unter die Dornen seh sind die, so es hoͤren, und gehin hin unter den Sorgen, Reichthun und Wollust dieses Lebens, und


