Iv Vorwort.
denn sie ist nicht das Werk eines menschlichen Künstlers, sondern das Product des in der Kirche die
kirchlichen Formen durch das Wort und Sakrament schaffenden Geistes Gottes. So stehen wir auf
historischem Boden, ja wir rühmen uns, die apostolisch-katholische Kirche zu sein in ihrer geschichtlichen Fortbildung in Lehre und Cultus, wie es die Reformatoren behauptet und thatsächlich erwiesen haben, da sie aus Lehre und Cultus nur die unevangelischen Zuthaten entfernt haben.
Ein eingehender Blick in die Kirchenordnung lehrt, daß die Messe aus folgenden Haupttheilen bestehe: 1) vom Eingange bis zum Gloria; 2) vom Gruß bis zur Predigt; 3) von dem Offertorium bis zur Communion; 4) von dem Gruße bis zum Ausgang. Der 1. Theil gipfelt im Gloria, der 2. in der Predigt, der 3. in der Communion, der 4. im Segen. Die wirkenden Personen sind der Liturg, der in sich das Doppelgeschäft vereinigt, das Organ Gottes und der Gemeinde zu sein. Als Organ Gottes vermittelt er der Gemeinde die Gabe Gottes im Wort, Sakrament und Segen, und wendet als solcher das Angesicht der Gemeinde entgegen. Als Organ der Gemeinde bringt er Gott das Opfer derselben, und kehrt als solcher mit der Gemeinde das Angesicht dem Altare zu. Sodann die Ge— meinde, die streitende Kirche, und der Chor als Repräsentant der triumphirenden Kirche. Letzterer hat darum die Gemeinde zu führen und den Liturgen zu unterstützen. So soll der Gottesdienst Ein Dienst der Gesammtkirche sein, zunächst freilich der streitenden Kirche, aber im lebendigsten Bewußtsein ihrer Einheit mit der triumphirenden Kirche, die um deßwillen in dem Gottesdienst vertreten sein soll. Die Orgel und andere Instrumente sind, unserm Dafürhalten nach, Repräsentanten der unvernünftigen Creatur, denn: Alles was Odem hat, lobe den Herrn! Darum darf sie den Liturgen, insoweit er das Organ Gottes ist, nie unterstützen, wohl aber Chor und Gemeinde im Loben und Preisen begleiten. Sehr richtig verbietet die Kirchenordnung die Orgelbegleitung des deutschen Credo, da dies ein Be— kenntnißlied ist, und nur der Christen Herz und Mund bekennen kann. Der Chor hat demnach seinen richtigen Platz auf dem Chor zu Seiten des Altars, denselben und Liturgen umgebend. Im Kreis— laufe des Kirchenjahrs bewegt sich der liturgische Gang der Messe, indem ein jeder Sonntag durch das Sonntagsevangeliuin beherrscht wird. Denn die Gemeinde soll die Heilsthaten in einem Kirchen— jahre in sich durchleben. Darum ist es vor Allem noth, der Gemeinde die richtige Stellung des Sonntags zum Kirchenjahr anzuweisen, und dies geschieht im Introitus(Eingang) der im Doppelchor auszuführen ist. Derselbe schließt stets mit der sogenannten kleinen Doxologie, als der Lobpreisung des Christengottes, des Dreimaleinen. In dem Bewußtsein ihrer Sündhaftigkeit und Unwürdigkeit vor Gott demüthigt sich Liturg und Gemeinde vor dem heiligen Gott in dem Kyriè, dem Bußruf und Sündenbekenntniß, und getröstet sich der Gnade Gottes in dem Gloria. der großen Doxologie, dem sich die Gemeinde anschließt in dem„Allein Gott in der Höh sei Ehr“, dem uralten Morgen— gesange der Christenheit. Das Kyrié sowohl als das Gloria erweitert sich an den Festen. So nun in Buße und Glauben ist Liturg und Gemeinde bereitet zum heiligen Dienst, der mit der Salutation beginnt, dem Gruße der Heiligen. Das erste, was die Gemeinde Gott zu bringen hat, ist das Opfer
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