. II SSSSIIII.
5.—T—
* * x ö 4 247
VI
um nicht gerade zu sagen falsch, so doch wenigstens nicht im Sinne der früheren Tonsetzer vor. Ich weiß zwar schon zur Genüge aus Urtheilen über mein Choralmelodienbuch(Berlin, bei A. Enslin, 1861.), daß mit dieser Notierung nicht gerade jedwedem Organisten gedient sein wird und daß ich damit am wenigsten auf den Dank derjenigen zu hoffen habe, die von Urgroßvaterszeiten her gewohnt sind, ihre dorischen, phrygischen ꝛc. Choräle stets nur auf d, e, und nicht anders, gestellt zu finden, und mithin jede andere tonartliche Höhe, und wärs auch die beste, schon um der Bequemlichkeit willen verabscheuen. Doch dies Alles konnte mich nicht beirren, von dem einmal angenommenen Prineip abzugehen. Es Allen recht zu machen, liegt nun einmal nicht im Bereich der Möglichkeit.
Aus den S. 241 u. ff. abgedruckten historischen Notizen über die einzelnen Melodien und deren Verfasser wird der Leser ersehen, welche Quellen mir bei Ausarbeitung dieses Choralbuches vorgelegen haben. Wenn ich darin auf Einzelheiten etwas ausführlicher, als es wohl Manchem für nöthig erscheinen könnte, eingegangen bin, so ist das mit gutem Bedacht geschehn. Denn in Betteff des historischen Wissens stehen leider nicht wenige Choralbücher der Neuzeit auf dem Standpunkte gänzlicher Verwilderung. Es wird darin oft mit Jahrhunderten umgesprungen, daß es eine Art hat. „Aus dem vierten, sechsten u. s. w. Jahrhundert“, das sind die feststehenden Ueberschriften einer großen Anzahl von Chorälen, und keinem der Choralbuchverfertiger, wenn er sich deren bedient hat, fällt es auch nur im entferntesten ein, einmal darüber nachzudenken, was solche fixfertigen Ueberschriften zu bedeuten haben und was es besagen will, mit der historischen Forschung des Chorals auch nur bis ins 15. Jahrh. vorzudringen. Man sieht daraus, wie sehr es noth thut, daß die bedeutenden histori— schen Forschungen eines v. Winterfeld, Wackernagel u. A. dem Volke mehr zugänglich gemacht werden, etwa durch geeignete Auszüge, wie die soeben erschienene„Choralkunde“ von G. Döring. (Danzig, bei Th. Bertling.)
Die den einzelnen Melodien beigedruckten Texte— in der Regel die Anfangsstrophe der betreffenden Lieder— sind hier fast durchgehends nach älterer, d. h. originalgetreuer Lesart wieder— gegeben. Nur bei wenigen Liedern sind kleinere Abweichungen vom Original, meist mit Anschluß an das Gesangbuch von Wunsen, für nöthig erachtet worden. Diese untergelegte Strophe sollte zunächst dazu dienen, dem Sänger oder Organisten den Sinn der Harmonie möglichst nahe zu legen und zu verdeutlichen.— Die bei den einzelnen Liedern erwähnten Quellen⸗ und Zeitangaben sind mehrentheils den bekannten hymnologischen Werken von Ram bach, Wackernagel, Mützell u. A. entlehnt; das Weitere ist ein Resultat eigener Forschung.— Beiläufig sei erwähnt, daß einige in den Ueber— schriften der Choräle befindliche Ungenauigkeiten im Anhange ihre Berichtigung erfahren.
Um die Melodien schnell und sicher nachschlagen zu können, wurde die alphabetische Reihenfolge derselben für zweckmäßig erachtet und durchgeführt. Für diesen Zweck sind, außer den gewöhnlichen Benennungen nach den Originaltexten, auch noch viele der spätern(freilich mißbräuchlichen) Benennun⸗ gen nach sogenannten untergelegten Texten mit ins Register eingetragen worden, was jedoch mit der Zeit einmal schwinden könnte, wenn unsere Gesangbücher, vor allen das neue Berliner Gesangbuch, mit einem bessern Beispiel vorangehn wollten.— Die hin und wieder vorkommende Unterbrechung der strengern alphabetischen Ordnungsfolge, wornach die eine oder andere Melodie um eine Nummer vorspringt oder zurücktritt, hat darin ihren Grund, daß das Umwenden des Blattes in der Mitte eines Chorals vermieden werden sollte. Ein Verzeichnis der Melodien nach ihrem Metrum schien mir ent— behrlich; es dient mehr den Zwecken des Choralbuchverfassers als denen des Orgelspielers.
Hiermit sei denn dieses Werk, die Frucht eines vieljährigen, eingehenden, mir liebgewordenen Studiums allen Freunden wahrer Kunst auf's Beste empfohlen.
Berlin, den 12. October 1862. Ludwig Erk.
NI/7/77
— —


