220 Anmerkungen.
19. Nro. 88. Dieses Lied, glaube ich, bezeichnet die Gränze, bis zu welcher man in dieser Richtung in kirchlichen Gesangbüchern gehen darf. Das Lied Laßt mich gehn' von G. Knack und gar das Schlesische Schönster Herr Jesu',‚ gegen welches auch sonst manches zu erinnern ist, stehen schon jenseits dieser Gränze.
20. Nro. 92. Daß man dieses Lied so selten in den Gesangbüchern berück⸗ sichtigt, halte ich für unrecht: es ist sehr schön, und die 3. und 4. Strophe zu singen hindern keine Sprachhärten, deren allerdings die andern Stro⸗ phen haben.
21. Nro. 95. Die Anfangsbuchstaben der Verse der letzten Strophe bedeuten Johann Georg Churfürst zu Sachsen'.
22. Nro. 96. Dieses schöne Lied hatte ich früher versucht nach den Melodien
der Lieder Als Jesus an dem Kreuze stund' und In dich hab ich ge⸗ hoffet, Herr' singen zu laßen, allein es thut ihm keine genug. Als ich
Herrn Dr. Arnold das Lied vorlas und ihn fragte, ob sich nicht aus dem unvergleichlichen J. Eckardschen Satze(K. v. Winterfeld I. Nro. 147) Motive zu einer einstimmigen Melodie entnehmen ließen, gieng er hier⸗ auf nicht ein, sondern brachte nach einiger Zeit die hier vorligende schöne Melodie ans Licht. Einige Wochen früher reizte ihn das Lied Nro. 190 zu der Erfindung einer Weise, die so im alten Kirchenstyl ge⸗ dacht und dem Inhalt des Liedes, namentlich den letzten Zeilen jeder Strophe, so nachgefühlt ist, daß für dasselbe noch die Melodie An Waßer⸗ flüßen Babylon' zu verwenden nicht mehr möglich scheint. Beide Melodien hat Dr. Arnold zugleich in vier Stimmen gebracht, und zwar, wie es die klassische Tonfolge beider möglich macht, ja fordert, in einem Satze, der gleich der Melodie sich durch Reichtum und Tiefe vor allen moder⸗ nen Gebilden auf diesem Gebiete auszeichnet. Noch muß ich in Bezie⸗ hung auf die unter Nro. 96 stehende Jahreszahl 1639 bemerken, daß diese den ersten bekannten Druck des Liedes betrifft; wer es gemacht, ist un⸗ bekannt, K. v. Winterfeld räth auf Joh. Eckard selbst. Jedesfalls müßen Lied und Composition vor 1608 gesetzt werden.
„Nro. 98. Dieses Lied und das Nro. 127, beide von Franciscus Vogt (Postille, Lemgo 1732. 4.), habe ich aus besonderem Bergischen Interesse, da sie sich bis jetzt noch in keinem Gesangbuche dieses Landes finden, in das meinige aufgenommen.
21. Nr. 101. Dieses Lied ist ein Lieblingslied der biesigen reformierten Ge⸗ meinde; aus diesem Grunde habe ich ihm einen Platz in meinem Gesang⸗ büchlein eingeräumt, neben dem nachher unter Nr. 104. folgenden Herrn⸗ schmidschen Lobe den Herrn, o meine Seele'. Es wird auch wol zu den besten der Psalmlieder von Jorissen gezählt werden dürfen. Dieser Dichter hat es in der Regel zu seinem Schaden vermieden, sich an den Wortlaut der Lutherischen Bibel zu halten; wenn z. B. der 84. Psalm bei ihm anfängt
Wie reizend schön, Herr Zebaoth, ist deine Wohnung! O mein Gott, so würden diese Verse doch gewis angemeßener so lauten:
Wie lieblich, o Herr Zebaoth,
sind deine Wohnungen! Mein Gott,. Nr. 108. In der 11. Strophe Zeile 4 hat das Original die Worte durch dick und dünn', wofür ich die Aenderung durch alle Straßen' beibe⸗ halten habe, welcher Ausdruck auch im Eingange des Liedes Nr. 182 steht. Die biblische Lehre von der Natur des Menschen und der Engel läßt nicht zu, daß die 4. Zeile der letzten Strophe laute wenn ich ein schöner Engel bin'; die Aenderung wenn ich bei deinen Engeln bin' fachli im Elberfelder luther. Gesangbuch und im Bayrischen) ist ober⸗ ächlich.
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