218 Anmerkungen.
in einigen Worten mich Neuerungen bedient, lediglich um falschen Etymo— logien zu begegnen: man sollte so lange sälig und nicht selig schreiben, bis der allgemein verbreitete Irrtum abgekommen, das Wort von Seele abzuleiten und wol gar seelig zu schreiben: wer die deutschen Wörter nicht kennt, mit denen es zusammenhängt, sollte wenigstens an salus den⸗ ten; herlich und herschen sind nicht aus allgemeiner Abneigung gegen ein doppeltes r oder überhaupt gegen doppelte Consonanten, wenn ein dritter folgt, bloß mit einem er geschrieben, sondern weil beide Wörter nicht von Herr, sondern von hehr abgeleitet sind.
4. Nro. 8. Die 5 Strophen dieses Liedes sind die ersten und letzten aus dem ältesten Druck desselben in dem Speierschen Gesangbuch von 1600. Schon in diesem heißt der Anfang fehlerhaft Es ist ein Ros' ent sprungen.
5. Nro. I1. Die Melodie dieses Liedes erscheint zuerst im J. Klugschen Ge⸗ sangbuche von 1535, zu dem Liede M. Luthers Nun freut eüch, lieben Cyristen gemein'; 1597 finden wir sie zu der ganzen ihr inwohnenden Schönheit entfaltet in dem fünfstimmigen Satze Joh. Eckards. Dieses Meisterwerk des größten evangelischen Tonkünstlers habe ich oft im Hause K. v. Winterfelds vortragen hören; er ließ es aber mit den Worten der vierten Strophe unseres Liedes Ich lag in tiefer Todesnacht' singen, ein Zeugnis seiner musikalischen Einsicht und seines tiefen Gefühls: die wun derbare Uebereinstimmung der durch die Worte und der durch die Töne hervorgerufenen Bilder und Gedanken trat mir jedesmal besonders leb haft im Anfang des Abgesanges entgegen, wenn zuerst der zweite Tenor einsetzt, dann die erste Stimme und der Bass folgen und endlich alle Stimmen singen O Sonne“, gerade als hätte diese mit jener Stimme ihre ersten Stralen geworfen und wäre allmählich heller hervorgetreten und endlich in vollem Glanze aufgegangen.
6. Nro. 12 ist ein Versuch von mir, das alte In dulei zubilo zu übe—
7. Nro. 25 in seiner undeutschen Strophenform ist ein rechtes Beispiel da⸗ von, was alles, wenn nur sonst Meinung und Ausdruck gut sind, dem frommen deutschen Gemüth heimlich werden kann. In anderer Weise gilt etwas Aehnliches auch von Nro. 8h, das ich nach meinem Geschmack am liebsten von der Sammlung ausgeschloßen hätte: die Anapästen oder Daktylen oder Amphibrachen des Abgesanges, wer weiß, was eigentlich gemeint ist, streiten eben so sehr als die Tanzweise der Melodie gegen den Ernst des deutschen Charakters und des deutschen Kirchanliedes. Gleichwol scheint das Lied bis jetzt in keinem Gesangbuch fehlen zu dürfen.
8. Nro. 31. Der Grundgedanke dieses Liedes von Nic. Hermann findet sich noch einigemal von spätern Dichtern verarbeitet: von Melchior Eckart (1611) in dem Liede Ein wahrer Christ in dieser Welt', und von Martin Rinckart(1645) in dem Liede Drei Tage hat ein jeder Christ'.
9. Nro. 42. Nach meiner Ueberzeugung kann das Lied Phil. Nicolais Wie schön leuchtet der Morgenstern' in keinem Gemeinde⸗Gesangbuche Platz finden. Verstümmelt wol; aber wem möchte damit gedient sein? Die Melodie haftet im kirchlichen Bewußtsein an dem Liede„O heilger Geist, kehr bei uns ein'. Sie hat in meinem Büchlein die Originalgestalt, aus⸗ genommen im 3., 4. und 5. Takt des Abgesanges, wo ich die spätere und jetzt überall gebräuchliche Weise vorgezogen.
10. Nr. 44. Manche neueren Gesangbücher haben den fehlerhaften Anfang Zeuch ein zu deinen Thoren.) Was die Strophen 9—12 betrifft, die in der Regel nicht mit aufgenommen werden, so bin ich der Meinung, daß wir jetzt mehr denn je auf Ausbrüche des Zornes Gottes über uns gefaßt sein müßen: in welchem Stücke sind wir beßer denn die Leute zur Zeit des dreißigjährigen Krieges? Wenn wieder grimmige Kriege


