Druckschrift 
Kleines Gesangbuch geistlicher Lieder für Kirche, Schule und Haus / durch Philipp Wackernagel
Entstehung
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Anmerkungen.

1. Das vorliegende Gesangbüchlein hat neben seiner allgemeinen Bestimmung noch den besonderen Zweck, darzulegen, wie ich als Mitglid der Eisenacher Gesangbuchscommission, aus der ich im April 1853 zu Frankfurt ausschied, über die uns gestellte Aufgabe damals dachte und wie wenig ich nach mei ner Auffaßung des kirchlichen Bedürfnisses die Beschränkung auf 150 Lieder und die damit zusammenhangende Ausschließung aller kirchlichen Hauslie⸗ der, namentlich der Morgen⸗ und Abendlieder, billigen konnte. Die Mit⸗ glider der Commission dissentierten alle, in den verschiedensten Richtungen; gleichwol fand eine Vereinbarung über die gebotene Anzahl von 150 Lie⸗ dern statt; diese ligen in den Cottaischen Ausgaben, leider mit vielen Re⸗

dactions- und Druckfehlern, seit Jahren vor. Wie nun Dr. Geffcken schon

mit einem kleinen Gesangbuch ans Licht trat, um seine besondere

Stellung darzulegen, so ich nach sieben Jahren mit dem meinigen zu dem⸗ selben Zweck, sowol was die Auswahl und Redaction der Lieder, als was die Melodien derselben betrifft.

2. Mehrere Lieder finden sich in meinem Büchlein zum erstenmal gedruckt, andere nach Jahrhunderten wieder zum erstenmal, andere zum erstenmal in ihrer unverletzten Gestalt. So bringt das Büchlein auch vier liebliche lodien, die wol seit 1450 nicht mehr gehört worden, zwei neue, die zu seltneren schönen Liedern gemacht worden, und die bekannten zum

größten Teil nach ihrem Originallaut redigiert. Die Originalgestalt ei

ner Melodie darf nicht bei den Componisten, den Setzern, wie K. v. Win⸗ terfeld sie nennt, gesucht werden, weil diese sie dem Satze zu lieb nicht selten sehr willkührlich behandeln, ja ihr Gewalt anthun, in Takt und Tönen, wovon sich jeder übezeugen kann, der bei K. v. Winterfeld nach sieht, wie eine und dieselbe Melodie bei verschiedenen Componisten ver⸗ schieden lautet. Die Gestalt, in welcher sie erfunden worden, kann nur aus der ursprünglichen einstimmigen Aufzeichnung ersehen werden; ist diese nicht zugänglich, oder nicht mehr vorhanden, so hat man alle Ursach, gegen die Form, in der sich die Melodie bei einem Componisten darstellt, mistrauisch zu sein. Für die meisten alten Melodien ist es mir bei mei ner Bekanntschaft mit den ersten Quellen möglich gewesen, die Original weise herbeizuschaffen; dem Herrn Dr. Arnold in Elberfeld aber bin ich zu großem Dank verpflichtet, daß er die Güte gehabt, mir diese alten Notierungen und Schlüßel, deren Verständnis und richtige Deutung auch unter Musikern nicht jedermanns Sache ist, in die heut geltende Noten⸗ schrift zu übertragen. Indes hat der Gedanke, als könne eine Melodie im Laufe der Zeit keine Verbeßerung erfahren, absolute Herschaft nicht geübt: jede Melodie ist vielfach durchgespielt und durchgesungen worden, jede auch in ihren verschiedenen Abänderungen und Verflachungen, mit Benutzung der Mitteilungen in K. v. Winterfelds großem Werke und der besten Choralbücher, namentlich des Bayrischen.* 2

3. Mein Gesangbüchlein ist eines der wenigen in neuerer Zeit, die einen Druck mit abgesetzten Verszeilen haben, das einzige aber und das erste, welches auch den jedesmaligen Strophenbau anschaulich macht. Was die Noten der Melodien betrifft, so bin ich der Meinung, daß für geistliche Lieder die offenen(die ganzen und halben), für weltliche die schwarzen (die viertel und achtel) gehörig sind. In der Orthographie habe ich nur