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10.
„Da ich noch nicht geboren war, /da bist du mir geboren/
und hast mich dir zu eigen gar, /eh ich dich kannt, erkoren./ Eh ich durch deine Hand gemacht,/ da hast du schon bei dir bedacht,/ wie du mein wolltest werden.
Ich lag in tiefster Todesnacht,/ du wurdest meine Sonne,/
die Sonne, die mir zugebracht /Licht, Leben, Freud und Wonne.„O Sonne, die das werte Licht/ des Glaubens in mir zugericht't,/ wie schön sind deine Strahlen.
„Ich sehe dich mit Freuden an/ und kann mich nicht satt
sehen; und weil ich nun nicht weiter kann,/ bleib ich an⸗ betend stehen. /O daß mein Sinn ein Abgrund wär/ und meine Seel ein weites Meer,/ daß ich dich möchte fassen.
Wo nehm ich Weisheit und Verstand,/ mit Lobe zu erhöhen/
die AÄuglein, die so unverwandt/ nach mir gerichtet stehen?/ Der volle Mond ist schön und klar,/ schön ist der güldnen Sterne Schar,/ dein Auglein sind viel schöner.
O daß doch so ein lieber Stern soll in der Krippe liegen!/
Für edle Kinder großer Herrn/ gehören güldne Wiegen./ Ach Heu und Stroh ist viel zu schlecht, Samt, Seide, Pur⸗ pur wären recht,/ dies Kindlein drauf zu legen.
Nehmt weg das Stroh, nehmt weg das Heu!„Ich will mir
Blumen holen,/ daß meines Heilands Lager sei /auf lieb⸗ lichen Violen; /mit Rosen, Nelken, Rosmarin /aus schönen Gärten will ich ihn/ von oben her bestreuen.
„Zur Seite will ich hie und dar /viel weißer Lilien stecken,/
die sollen seiner Auglein Paar /im Schlafe sanft bedecken;/ doch liebt viel mehr das dürre Gras/ dies Kindelein als alles das, /was ich hier nenn und denke.
Du fragest nicht nach Lust der Welt /noch nach des Leibes Freuden;/ du hast dich bei uns eingestellt,‚ an unsrer Statt zu leiden,/ suchst meiner Seele Herrlichkeit/ durch Elend und
Armseligkeit; /das will ich dir nicht wehren.


