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Gesang- und Gebetbuch für die Erzdiözese Cöln
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Kurze Betrachtungen auf alle Tage d. Monates. 623

30. Von der Andacht zu der allerseligsten Zungfrau.

1. Ein Herz, das gleichgültig ist gegen Maria, verdient nicht zu schlagen; da es Maria nicht liebt, ist es unwürdig, zu leben und überhaupt etwas zu lieben. Maria ist das reinste und ausgezeichnetste Geschöpf, das Gott geschaffen hat; es gibt kein Geschöpf, welches wohlwollender gegen mich wäre. Welche Liebe, welche Achtung, welches Vertrauen schulde ich ihr nicht!

2. Wenn ich unglücklicherweise alle meine Übrigen Andachtsübungen verlieren sollte, so will ich doch die Andacht zu Maria bis in den Tod bewahren. In welcher Verirrung ich mich auch befinde, ich will immer zur allerseligsten Jung⸗ frau meine Zuflucht nehmen, um durch ihre Vermittelung die Gnade einer wahren Bekehrung zu erlangen. Stets will ich auf Maria, die Köni⸗ gin des Himmels, hoffen, denn niemand kann in ihren Armen untergehen.

3. Gewiß kann man der Gerechtigkeit Gottes die Barmherzigkeit der Mutter Gottes gegenüber halten. Wenn sie ihren Ruhm dareinsetzt, Gutes zu tun, und wenn es einen Teil ihrer Glück⸗ seligkeit im Himmel ausmacht, den verhärtetsten Sündern Gnade zu erflehen, was wird sie dann nicht erst für ihre treuen Kinder tun? Seit achtzehnhundert Jahren hat sie ihre Güte be⸗ wiesen, sie wird darum auch heute meine Hoff⸗ nung nicht täuschen. Mein größtes Unglück wäre, Mißtrauen auf ihre Güte zu setzen; denn wenn ich aufhöre, Maria zu lieben, kann ich mich für verloren halten.