Kurze Betrachtungen auf alle Tage d. Monates. 605
nur die Außenseite der christlichen Buße; der Haß gegen die Sünde ist ihr Wesen und ihr Geist.
Anwendung. Bitte Gott um Verzeihung für dein bisheriges Leben und flehe zu ihm um diesen Geist der Buße, der die ersten Ehristen auszeichnete.
Was nützt es, euch zu demütigen, wenn ihr euch nicht bessert? Hl. Augustinus.
13. Vom Aufschube der Buße.
1. Ich zögere so sehr, mich Gott hinzugeben; es scheint, als suchte ich seinen Händen mich zu entziehen. Ist es denn eine Schande, ihm an⸗ zugehören, ein sündhaftes Leben aufzugeben? Kann man eine unendliche Schönheit zu früh lieben? Morgen, morgen! Warum nicht heute? warum nicht zu dieser Stunde? Werde ich morgen meine Ketten leichter brechen können? Ohne Zweifel nein! Die Zeil, die alles schwächt, stärkt die bösen Gewohnheiten; wenn man das Heil⸗ mittel aufschiebt, wird das Uebel unheilbar.
2. Was hindert uns, dem Rufe zu folgen, der uns einladet zur Buße? Was fürchten wir denn? Die Aenderung unseres Lebens ist frei⸗ lich mühevoll. Aber was muß ein Christ nicht thun, der einen gekreuzigten Gott anbetet und der den Himmel zu erlangen hofft? Wenn es etwas zu fürchten gibt, so ist es der Mißbrauch der Gnaden.
3. Morgen! Ist denn die Zukunft mein? Ist sie ein Gut, über das ich Herr bin? Gott er⸗ wartet mich freilich,— die heilige Schrift sagt es; sie sagt aber nicht, wie lange ich noch zu


