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Stalingrad : Roman / Theodor Plievier
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auf den Obersten Carras, der ihn mit hereingebracht und ihm aufgetragen hatte, hier auf ihn zu warten. Huth begriff, daß er ohne Hilfe kaum hier hereingelangt wäre und daß er ohne wegbereitende Worte auch nicht weiterkommen würde. So Stand er wartend da und betrachtete den vor seinen Augen vorbeiziehenden gespen- stischen Reigen. Der Gang, eine sonderbare halbfinstere Gasse war es, War voll- gestopft mit Offizieren, Ordonnanzen, Schreibern, Feldgendarmen, die durch Zimmer und Schreibstuben schweiften, die herumstanden oder entlang den Wãnden am Boden saßen. Ein bekanntes Bild, für Huth war nur neu, daß die Woge des Untergangs und die Unterschlupf suchenden Gestalten auch schon in das Armee- hauptquartier hineinschwemmten.

Die beiden Herren, die mit Huth eingetreten waren, waren auf dem ihnen bekannten Weg weitergegangen. Der eine, Oberst Steinle, der bei Jeschowka seine Kampf- gruppe hatte untergehen sehen, und jetzt im Stadtgefängnis wohnte, wollte zum OB, und er wollte vom OB nichts anderes als auch der Oberarzt: die Kapitulation. Der andere, der Hauptmann, war der Adjutant des Generals Vennekohl. Er war in Abwesenheit Vennekohls von der Armee angerufen worden:Was brauchen Sie noch an Orden, Kriegsverdienstkreuze, Deutsche Kreuze, EK I(EK II waren nicht einmal erwähnt worden)... nun, dann stellen Sie eine Liste auf und legen Sie die Liste vor! Und da war er nun und trat beim Adjutanten des Oberbefehls- habers der Armee ein.

Der Adjutant des OBs saß am Tisch:

Zeigen Sie mal her, wieviel sind's?

Es war eine lange Liste. Der Adjutant sah sich weder die Mamen noch die Be- merkungen an, griff hinter sich unters Bett in eine Kiste und zählte soundsoviele Fiserne Kreuze ab. Der Hauptmann wußte nicht wohin mit der Menge. Es fand sich eine alte Nummer desVölkischen Beobachters, und mit einer aus Zeitungs- papier gedrehten Tüte voller Kreuze zog der Adjutant Vennekohls wieder von dannen.

Bine Tür weiter im Raum des I A befanden sich der IA und I1C der Armee. Auf dem Tisch stand eine halbgeleerte Flasche Kognak, lagen in Scheiben aufgeschnitten Pumpernickel in aufgerissenen Zellophanpapierpackungen, stand Butter, stand Käse, auch eine Büchse mit französischen Sardinen. Die beiden Herren waren damit be- schäftigt, ihre Rucksäcke zu packen; auch die Reste der Mahlzeit rafften sie zu- sammen und packten sie mit ein. Der IA öffnete die Tür spaltweit, um zu sehen, ob die Luft draußen rein war. Durch ihre Burschen ließen sie die Rucksäcke bis zur Ausgangstür schaffen, dann schlichen sie selbst hinterher. Die Marschroute, die sie für ihr Ausbruchsunternehmen festgelegt hatten, war der Weg über die Wolga hinüber, und am anderen Wolgaufer wollten sie die Richtung nach Süden einschlagen bis halben Wegs nach Astrachan , dann die Wolga wieder überschreiten und zur deutschen Kaukasusarmee stoßen.

Noch einige Türen weiter saß der Schneider des Roskeschen Regiments. Einen

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