Druckschrift 
Stalingrad : Roman / Theodor Plievier
Entstehung
Seite
311
Einzelbild herunterladen

Es war also alles Klar, jedenfalls auf dem Papier. Aber es ist doch nichts mehr zu essen da, Herr Feldmarschall!

Das ist mir bekannt!.

Die Verwundeten sind doch nicht mehr versorgt, Herr Feldmarschall!

Das ist mir bekannt!

Ringsherum zieht es sich zusammen. Angesichts der russischen Geschütze, man sieht sie doch mit bloßen Augen auffahren..

Ist mir alles bekannt!

Und es ist doch Klar, daß auf einen Entsatz überhaupt nicht mehr zu rechnen ist, Herr Feldmarschall!

Sie kennen den Befehl!

So ging es weiter. Um halb zwölf Uhr nachts hatte das Gespräch begonnen, und um halb eins war die Verbindung noch nicht abgerissen, und sie dauerte bis gegen ein Uhr nachts, und während der letzten Viertelstunde sprach der Chef des Stabes und polterte Grobheiten und Flegeleien, und er wurde ausfällig und verlor sich schließlich völlig in einem wirren Veitstanz wilder Drohungen.

Da saß Damme dann am Rande dieser Macht. Er fuhr sich mit der Hand durchs Haar, und die Hand war naß. Befehl wird ausgeführt so ein Befehl, der größte Blõdsinn! Das ist ja nicht auszuhalten, das ist ja viehisch. Der Schweiß läuft ja nur so an einem herunter. Leere im Kopf. Kalt am Rücken. Kein Appetit, das wäre ja bei den Verpflegungssätzen noch am ehesten zu ertragen. Keine Lust zu einem Bridge mehr und überhaupt zu nichts. Zu andern Zeiten hätte man da einige Tassen heißen Tee und ordentlich Rum rein getrunken und sich mit zwei Bettdecken zu- gedeckt und mal richtig geschwitzt, und alles wäre vorüber gewesen. Aber hier das dauernde Geschieße, dauernd in dem Loch hocken, dauernd das kleine ver- gitterte Fenster vor Augen, da draußen dauernd diese Bilder, das hält kein Mensch aus, und das ist mit einem Wort viehisch!

Und natürlich, als da ein deutscher Rittmeister, einer von drüben, den sie wieder rübergeschickt haben, zusammen mit einem russischen Major hier hereinkam, da hat er sich selbstverständlich mal mit den beiden hingesetzt und mal überlegt, was zu tun ist. Irgendwo findet sich wohl noch ein Tropfen! Mein, nicht? Na, dann koch mal einen Kaffee! hatte er seinem Dolmetscher, dem Sonderführer Wiedemann, gesagt. Aber auch Kaffee war nicht mehr da. Nichts zum Anbieten, und draußen vor dem Fensterloch schleppten sie wieder einen an Kopf und Füßen heraus unq warfen ihn auf den Haufen zu den anderen. Das waren so die Zustände, und da war es wohl klar, und der gesunde Menschenverstand wies den Weg, und es er- forderte auch keiner langen Uberlegungen mehr, daß da nur übrigblieb, den helden- haften Kampf ehrenvoll einzustellen, und das gerade war die Formel, auf die man sich geeinigt hatte. Und alles war in schönster Ordnung, und geschehen war die Sache nur deshalb noch nicht, weil der Russe, wie er Sagte, die Basis noch etwas erweitern und die 29. mot und was sonst noch da herumlag, auch gleich mit ein-

311