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Stalingrad : Roman / Theodor Plievier
Entstehung
Seite
310
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an dieFront abgereist war, d. h. der irgendwo in der Ruinenwelt umherschweifte, hatte ihm vertretungsweise sein Korps übergeben.

Und da saß Damme am Tisch, am Ohr hielt er den Fernsprechhörer, und es war ein verdammt unangenehmes Gespräch, in dem er da begriffen war. Der Partner am andern Ende des Drahtes war der Oberbefehlshaber der Armee.

Mir ist zu Ohren gekommen, Damme..., so hatte das Gespräch begonnen, daß bei Ihnen Verhandlungen mit den Russen geführt werden!

Pas war nun allerdings an dem, und es hieß mit der Sprache herausrücken:Jawohl, Herr Feldmarschall!(Herr General hätte er beinahe gesagt, denn erst am gleichen Tage war der befõrdert worden, und auch das, wie die Armee ja überhaupt Schwieg, war den Stäben nicht offiziell mitgeteilt worden.)Jawohl, Herr Feldmarschall, ich selbst habe die Verhandlungen mit den Russen geführt!

Was wollte man eigentlich von ihm? Die Armee gibt keine Befehle mehr aus, schon seit Tagen nicht, und praktisch führt sie schon seit vielen Tagen nicht mehr. Das einzige, was seit vielen Tagen die ommandostellen erreicht hatten, war: Halten! Halten, auch wenn schon keine Arme zum Halten mehr da waren. Was wollte also die Armee, die in tiefes Grabesschweigen verfallen war, eigemlich von ihm? Der Chef des Stabes hat mir diese sehr ernste Angelegenheit mitgeteilt, Damme Das konnte er sich denken, daß natürlich der Chef da seine Hand wieder im Spiel hatte. Und auch ohne die Knderung im Ton, ohne die plõtliche Schärfe der sonst fast leidenden Stimme konnte er sich ausmalen, daß derböse Geist des Feldmar- Schalls ihm da leibhaftig gegenübersaß und das Gespräch überwachte.

Aber hören Sie, Damme, nicht mal mit Ihrer eigenen Division, in bezug auf eine fremde Truppe, die Ihnen nur vertretungsweise anvertraut worden ist, haben Sie sich da in Kapitulationsverhandlungen eingelassen!

Jawohl, Herr Feldmarschall. Das habe ich!

Hier im Keller hat jedoch eine Versammlung sämtlicher Offiziere stattgefunden. Die Offhiere sind darũber umerrichtet worden, daß Schritte eingeleitet sind, den heldenhaften Kampf ehrenvoll einzustellen. ſeder ist einzeln gefragt worden: Sind Sie damit einverstanden? Und jeder einzelne ist aufgestanden und hat erwidert: Jawohl!

Was kann auch noch werden, wie soll es weitergehen.. Sie kennen den Befehl, Damme?

Jawohl, der Befehl ist mir bekannt, Herr Feldmarschall Dann ist doch alles klar, dann sind Verhandlungen doch völlig ausgeschlossen! Der Befehl wird durchgeführt! Der Befehl wird durchgeführt, pünktlich und bis zu Ende, Herr General!

Der Befehl aus dem Führerhauptquartier lautete: Bis zur letzten Patrone! Der zu- sätzliche Armeebefehl lautete: Parlamentäre des Gegners werden durch Feuer ab- gewiesen! Zusãtzliche Korpsbefehle für T ruppenführer, die keine Truppe mehr und nur noch ihre Stäbe um sich hatten, lauteten: Der Gefechtsstand wird verteidigt!

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