los war da die über der Finsternis baumelnde Leiter, und man saß bereits auf der let?ten Sprosse oder man hing daran, alle da im Keller zusammengeballt zu einer Traube, und man brauchte nur loszulassen, einzeln oder zusammen, und man stürzte ins Bodenlose.
Die Wirklichkeit war doch so— so geschichtet, so massig gelagert, daß sie zu brennen begann. Und die Struktur des Berges war da im Aufglühen plötzlich sichtbar. Und Vilshofen war die züngelnde Flamme, das St. Elmsfeuer in dieser Nacht des Unter- gangs.
Ein General in langem Fahrermantel, ohne jedes Abzeichen, ein Mantel, den er in den Nãchten gleich als Decke benutzte. Und vielleicht war er nichts als die Stimme dieser Stadt der rauchgeschwärzten Steinpyramiden mit den tief eingeschnittenen Gräben, an deren Wänden Loch neben Loch tausend Hõhleneingänge gähnen, und wo aus einem Loch Soldaten, aus einem andern auch mal eine zerlumpte Russen- frau, aus noch anderen nichts als Leichenbeine herausstarrten, wo auf dem Wege, hier ein ausgebranntes Fahrzeugwrack, da ein zerschmettertes Geschütz, da ein krepier- tes Pferd, da ein Sterbender, da Schon Gestorbene lagen. Vielleicht war er nichts als die Stimme der Stalingrader Höhlen und Keller und die Stimme des Marsches mit dem Rücken nach Stalingrad , des Offizierssterbens vor Gorodischtsche, der er- sterrenden Leiber in der Bahnhofshalle Gumrak, der Zertretenen und Zerwalzten auf der Straße von Pitomnik, der gefallenen Kãmpfer vor den Kasatschihügeln und der Höhe 135.
Als solches stand er jedenfalls hier:
Die geopferte Front vor dem überlebenden Stab, vor den Herren von den Trümmern einiger Stäbe, und was niemals ein Soldat ausgesprochen und auch nicht auszu- sprechen vermocht und was er stumm mit ins Grab genommen hat, er sprach es aus, an dieser Stelle und in dieser Stunde.
„Welches Denkmal wollen Sie ihm setzen, meine Herren!“ Na, meinetwegen, ick hör' bloß Denkmal, soll er meinetwejen, der wird ja nu schon eintõnig, dachte Vennekohl. Es kam aber dann ein jäher Bogen, der ganz eindeutig ihn betraf.
„Er starb den Soldatentod: das können Sie seinem Sockel kaum einmeißeln. Da war der Mann aus den Schneelöchern der Stalingrader Westfront. Nach Kämpfen mit dem Gewehr, nach noch zäherem Kampf mit der Schippe schleppte er sich todmatt, mit traurigen Augen, an den Beinen herablaufend Blut- und Kotsoße, ins Laarett. Der Arzt untersuchte ihn kaum, denn er roch die Todkrankheit, und das glanzlose Auge und die weinerliche Stimme waren Symptome genug. Er ließ den siechen Kãmpfer auf die Seite legen, und er starb an der Ruhr. Im weiten Feld vom Feind erschlagen: das ist dem Mann im Panzerloch bei Ilarinowski, auch dem auf Höhe 135 und dem auf den Kasatschihügeln nachzurufen. Der aber an den Ost- abhängen verwundet herabrollte und aufgelesen und abgetragen wurde, den haben wir auf den Verbandplãtzen wiedergetroffen, in Baburkin, in Dmitrewka, auch in
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