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Buchner ließ den Müller wecken, auch der sah aus wie eine Maus, die im Mehl sitzt. „Nu, gib uns etwas Mehl, Müller! Eine Ration für Siebenundzwanzig Mann! Ver- standen!“
„Aber Herr Major, da muß ich doch erst die Erlaubnis der Division haben!“ „Unsinn! Was habt ihr denn noch?“
„Ungemahlenen Weizen!“
„Das ist Lüge!“
„Nun ja, ein bißchen Fegsel, ein bißchen Zusammengefegtes!“
„Aber Herr Major, der Herr Imendanturrat...
„Ach was, der wird sich niemals mehr hier blicken lassen. Was glaubst du, wo die Russen sind! Die sind uns auf den Fersen. Die werden auch hier gleich bei dir an- klopfen!“
„Nein, ohne Anweisung vom Intendanturrat...
Mein Gott, wenn er nicht so müde wäre, wenn seine Knochen nicht wie aus Blei, sein Kopf nicht wie aus Blei, wenn er nur noch zu einem einzigen Gedanken fähig wäre! Ein Päckchen Zigaretten fiel ihm ein, das er noch besaß. Er holte es aus der Tasche.
„Hier hast du Zigaretten. Nun gib uns Mehl!“
„Ich darf nicht, Herr Major. Es ist gegen die Vorschtift. Aber ich habe noch von früher eine Kleinigkeit eigenes!“ „Also gut, eigenes!“ Der Müller nahm die Zigaretten. Stand auf, verschwand in einem Winkel. Kam wieder mit sage und schreibe einem Kilo Mehl. Ein Kilo Mehl für siebenundzwanzig Mann.
Stammelte:„Herr Major, mein let?tes. Hier sind doch schon so viele gewesen Buchner hätte ihm eine geklebt, hätte ihn niedergeschlagen. Aber er war matt, War fertig. Und es war auch alles egal. Verrecken mũssen wir mit Mehl oder ohne Mehl. Morgen sind die Russen da. Er nahm das Kilo Mehl entgegen und vertraute es seinem Unteroffier Januscheck an. Der Sollte sehen, wie er für siebenundzwanzig Mann was daraus herstellte. Er selbst suchte jetzt den größeren Raum auf.
Pieser Raum war tatsächlich überbelegt.
Das war indessen kaum der Ausdruck für den wirklichen Zustand. Buchner hatte drei Tage lang seinen Leutnant Stampfer gesucht und hatte in diesen drei Tagen nur einige Stunden geschlafen. Er war müde, und das war kein Wunder. Er war hungrig und war das Hungern noch nicht wie andere gewöhnt. Er war am Tataren- wall, war in Stalingrad , war wieder am Tatarenwall gewesen. Stampfer war ver- loren, seine hundertzwanzig Mann waren ihm endgültig emfallen, und sie waren, 80 Sah er es, ebenfalls verloren. Loose hatte er in der Ortskommandantur abgeliefert, und diese Ortskommandantur war der schwerste Schock, den er erhalten hatte. Aber man mußte nicht von hundert Findrücken zermürbt wie Buchner sein, man mußte nicht vom Hunger gewürgt sein, und man mußte nicht vor Ubermũdung
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