den Flur, liegen sie neben- und übereinander bis unter das Dach, und da hängen Tag und Nacht an den Türen und an den Fenstern die Gesichter der Finlaß- suchenden..
Und da war wieder das Zeichen, reckte sich auf und fiel Zusammen: Ein Mann hebt(r brauchte übermenschliche Kraft dazu) seine wie Stöcke steifgefrorenen Arme und fleht: Nur ein bißchen Wärme! Er schlägt vornüber aufs Gesicht, und die Arme zerbrechen als wären sie aus Glas!
Da waren Zeichen, da waren Gesichte, täglich, stündlich, standen auf, verlõschten, waren wieder da. Wer sie Ssah, konnte sie deuten. Da war auch der geänderte Befehl der Armee. Bei Wertjatschi, bei Baburkin war es verboten, Verwundete in Feindes- hand fallen zu lassen. Als der Kessel bis Gumrak eingedrückt war und die Massen der Verwundeten und Kranken nach Stalingrad abflossen und bereits gegen die Mauern des Hauptquartiers der Armee brandeten, wurde erlaubt, Verwundete zurückulassen, aber das Pflegepersonal zurückzulassen, war verboten. Dies war für die Schwerverwundeten(wer gehen konnte, und wer sich auch nur humpelnd be- wegen konnte, lief weg) ohne Pfleger, ohne Männer, die die Ofen heizten, das Todes- urteil, und die Russen würden in Gumrak Ginzwischen müssen sie dort eingetroffen sein) ein Bahnhofsgebäude und an hundert?wanzig Waggons angefüllt mit gefrorenen Soldatenleichen finden.
Der Befehl der Armee für Gumrak war schon kein Zeichen mehr, war schon die Enthüllung der grauenvollen Absicht. Die Männer, die ihr Blut und ihre heilen Glieder geopfert haben, sollen ihre schwarzen amputierten Stũmpfe in Deutschland nicht vorweisen und sollen ihre vom Grauen gezeichneten Gesichter in den Straßen deutscher Städte nicht zeigen dürfen. Die Hintertür ins Leben(eine weiße Fahme an den aufgegebenen Hauptverbandplätzen) soll ihnen verschlossen bleiben. Sie alle sollen sterben!
Eine Wahrheit, die der Arzt nicht wahrhaben will. Wie einen Stein, wie einen Fremdkörper im Organismus versteht er sie zu überkrusten, zu isolieren; er will sie sich nicht zu eigen machen. Aber unter diesem schwarzen Stern geht er seinen Weg. Ein Helfer, ein Heiler, ein Wiederbeleber, an der Schulterklappe auf korn- blumenblauem Feld und von Silberborte eingefaßt der Kskulapstab mit Schlange, organisiert er den hemmungslosen Verlauf des Sterbens, schon siebzig Tage lang, so verlangt es der Befehl, und so hat der Befehl(der Armee, des OKRHs, des Führer- hauptquartiers) den Arzt zum Totengräber gemacht.
Der Schnee glitzerte im Sonnenlicht. Der Schatten einer Wolke lief über das Feld. Eber der Stadt brodelte an etlichen Stellen Rauch auf. Schießen war zu hören. Weit hinten lag Gumrak. Voraus lag die Stalingrader Ortskommandantur. Was wird diese Ortskommandantur bringen? Oberstabsarzt Simmering trug die Wahrheit in Sich wie einen Stein. Ringsherum Schnee, voraus die Steinhaufen, die das Ziel waren, die eigentlich einen ganzen Sommer lang und jetzt auch den Winter hin- durch das Ziel gewesen waren. Das Ziel hatte sich verändert, es war in Trümmer
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