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Stalingrad : Roman / Theodor Plievier
Entstehung
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gischen HeimatBernhardt Zabel, Feinkost en gros, en detail(und es ging auch dort nicht mehr recht, die Steuern wuchsen einem über den Kopf) hatte er seiner- zeit, als er im Zuge des deutschen Vormarsches hier auf dem Gehöft sitzengeblieben war, sich auf lange Sicht eingerichtet und ausgebre tet. Er hielt zwei Pferde, einen Wagen und für den Winter einen Schlitten, hatte eine Kuh und Schweine und Geflügel im Stall. Er schlief in dem großenPanjehaus(das hatte er schätzen gelernt) auf dem Ofen.(Das war als ob man die ganze Nacht auf einem Heiz- kissen läge) FinenPanje hatte er dabehalten, der mußte den Ofen heizen, einen andern hielt er für den Stall. Die übrige Haus- und Stallarbeit besorgten Frauen. Alle andern Bewohner waren weggejagt worden. Für die Rechnungsführung hatte er einen Oberfeldwebel, und im übrigen, seine rechte Hand, seinen Unteroffizier Kulicke, dazu noch acht Mann. Dieser so vorsorglich und wenigstens zuschußweise auf Selbstversorgung eingerichtete Betrieb war Seit einiger Zeit in Unordnung ge- raten. Die Pferde und auch die Kuh hatte er abgeben müssen. Die Schweine hatte er, ohne neue im Stall zu haben, schlachten lassen. Jetzt ging sogar das Mastfutter für das Geflügel auf die Neige, und seine so umsichtig angelegte Wirtschaft schien in die Brüche zu gehen, oder sie war es schon, und es waren nur noch die Trümmer da. Fin paar Speckseiten und das in Steintõpfe abgefüllte Schmalz und einige Enten, das war alles, was übriggeblieben war. Und was die von der Steppe hereinkommenden Verpflegungsoffiiere, die früher bei ihm übernachtet hatten und mit denen zusammen er und auch der benachbart wohnende Oberveterinär manche gemütliche Stunde verbracht hatten, in der letzten Zeit über Vorkommnisse an der Front erzählten, war alles andere als schön, es war manchmal nicht zum Wiedergeben. Was sich auf der nahegelegenen Station Woroponowo abspielte, und was sich dort, Seit der Ver- kehr stockte, anGesindel ansammelte, davon nahm man am besten keine Kenntnis. Er für Seine Person hatte dort direkt nichts zu tun; er betrat die Station auch nicht, und ihm genügte, was der Oberfeldwebel, manchmal auch der Oberveterinär, und auch sein Kulicke darüber erzählten, und das genügte in der Tat. Er hatte alles getan, um das Haus und den Hof von der aufbrandenden Verwahrlosung, die sich ja wieder legen mußte(denn der Kessel würde ja über kurz oder lang wieder auf- gehen), abseits zu halten. Allerdings seit einigen Tagen hatte er sich den Tatsachen nicht mehr verschließen können, und es schwante ihm, daß Schwere Zeiten bevor- stünden.

Als aber in dieser grauen Mittagsstunde wie ein aus der Erde herausgewachsener dũsterer Zaunpfahl eine Gestalt aus Dreck und Rauch auf seinem Hof stand, und sich als ein Oberst und Kommandeur eines fremden Regiments entpuppte, Zu dem er, wie er war, in Hausschuhen hinausgehen, und den er im Haus herumführen mußte, da war es ein erstes Signal der Unterwelt. Die Truppe, die zwei Stunden Später zum Hoftor einschwenkte, war schon die beginnende Sonnenfinsternis; und wo man nachher hintrat, ins Haus oder in einen Schuppen oder auf den Hof, überall waren diese Gestalten da, und es war, als ob man durch zähe Jauche wate. Der

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