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Stalingrad : Roman / Theodor Plievier
Entstehung
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Wagen umgeworfenen und zerfahrenen Stapel Kohl, Fleisch, Säcke mit Mehl- waren; dort lag noch anderes, lagen Hügel von Kisten, Bekleidung, Tarnanzüge, Pioniergerät, Schoka-Kola, Zigaretten, Zahnpulver, Marketenderware.

Als das Panzergeschoß über der Schlucht platzte, erzählte Keil,standen sie da, als hätten sie einen mit dem Holzschlägel über den Passel gekriegt. Als dann ein Unteroffizier blutend über den Grabenrand herüberkam, da war es aus, da hat kein Brüllen und da hat nichts genutzt, weg sind sie, und hier in der Schlucht war es wüst Keil hatte einmal die Technische Hochschule besucht und Ingenieur werden wollen, bei Einführung der Allgemeinen Wehnpflicht hatte er seinen Lehrgang unterbrochen und war in die Wehrmacht eingetreten. Als der Krieg ausbrach, hatte sein Vater an der Landstraße Königsberg-Cranz eine Tankstelle und Autoreparaturwerkstatt betrieben. Als Keil im Winter 41 nach einer Verwundung auf Erholungsurlaub kam, standen dort bereits zwei Werkschuppen, großspurigWerkhallen genannt. Deutschland dehnt sich aus, und auch der Finzelne wenn er tüchtig ist und treu zuFührer und Reich hält dehnt sich aus, und aus einer Tankstelle wird eine Fabrik; das war der einfache Standpunkt, den Keil zum Kriege einnahm. Natürlich, es traten da Schwierigkeiten auf, Rohstoffverknappung und Arbeitskräfteverknappung und dergleichen, und Betriebe wurden zusammengelegt. Sein Alter aber er hielt

ihn auf dem laufenden war als ergebener Pg auf die Rohstoffbelieferungs- und

Arbeitskräftebelieferungsliste mit heraufgekommen, und für das kommende Halb- jahr 1943 hatte er Aufträge. Es war eben ein Engpaß, und da mußte man durch! Ein Engpaß war auch Stalingrad , da mußte man ebenfalls durch!

Die Schlucht hier wird gehalten, erklärte er Tomas,bis die Bunker leergefressen sind, oder bis zum Jüngsten Tag, falls dieses Ereignis eher eintreffen sollte! Auch über die politische und militärische Gesamtlage äußerte er sich Tomas gegenüber. Afrika , das sehe allerdings düster aus! An der Ostfront, die ewigen Absetzbewegungen wären nachgerade genug. Da wäre es an der Zeit, daß der Führer mal ein Macht- wort spräche! Die Engländer und Amerikaner, da würden unsere U-Boote schon für sorgen, daß die Bäume nicht in den Himmel wachsen! Die Russen, ja, die wären eine harte Nuß, aber die verbluten sich; je wilder sie angreifen, ein um so bestimm- teres Zeichen sei es dafür, daß es mit ihnen bald zu Ende ginge!

Die Hauptsache, Stalingrad muß fallen! Wenn wir Stalingrad haben, greifen die Japaner auch allmählich ein. Und inzwischen wird auch Tiflis genommen sein. Und dann sind auch die Türken da, die treten dann ebenfalls in den Krieg ein. Dann sind wir über den Berg rüber! Wenn es bei uns bloß nicht so viel Scheißkerle gäbe; es müßte mal ein großes Köpferollen geben; dann wäre die Frontlage und die all- gemeine Lage gleich gesünder! meinte Keil.

Tomas erfuhr indessen auch, daß Oberst Schwandt südlich von Keil an dessen lin- kem Flügel gestanden und sich hätte zurückdrücken lassen, und nach der Vermutung Keils müßte er jetzt so etwa bei Pitomnik-Porf zu finden sein.

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