lebt hatte. Und ein Stabsarzt aus dem benachbarten Dmitrewka mußte herhalten und ihnen Gesprãchsstoff bieten. Dieser Stabsarzt Unde war früher in einem Panzer- regiment gewesen und hatte sich anscheinend immer so weit hinter der Truppe ge- halten, daß er während des ganzen Feldzuges auch nicht eine einzige Auszeichnung erhalten hatte. Da nun die Stalingradarmee eingekesselt war und bei der Heeres- gruppe die Rede von baldigem Entsatz ging, hatte er die Zeit für gekommen er- achtet, dem Mangel abzuhelfen. Er hatte sich freiwillig nach Stalingrad gemeldet, um dabei zu sein, wenn der Kessel entsetzt und danach der besonders wertvolle „Stalingradorden“ zur Verteilung kommen würde. Er war eingeflogen worden und war sehr erstaunt gewesen, als er in Pitomnik die primitiven Erdbunker sah, die den Flugplat? umgaben. Und in Dmitrewka angekommen, war er geradezu erschüttert, sich auf freiem Felde wiederzufinden. Die Wirklichkeit entsprach auch zu wenig der Vorstellung einer„Zitadelle Stalingrad mit tief umer der Erde gelegenen Beton- bunkern, wie er sie aus Zeitungsberichten erworben hatte.
„Der muß sich nicht schlecht umgeguckt haben in Dmitrewka!“
„Nicht mal einen Erdbunker haben sie da in den ersten Tagen gehabt!“
„Alle sind sehr unzufrieden mit ihm, die meiste Zeit sitzt er jetzt in seinem Bunker- loch. Das läßt er immer weiter ausschachten und immer neue Versteifungen läßt er anbringen!“
„Und wo hat er das Material her?“
„Das läßt er aus anderen Bunkern herausreißen „Da sitzen doch auch welche drin!“
„Aber das sind doch bloß Landser, was kümmert sich Stabsarzt Unde darum!“ sagte Bäumler.
„Ja, was geht das Unde an, was geht das mich an!“ erwiderte Huth. Später stellten sie den Wehrmachtempfänger ein und hörten Musik aus Berlin . Binmal wurden sie noch aufgestört, und dieses Mal war es keine russische„Näh- maschine“, sondern schweres Dröhnen der Artillerie, welches durch die frostklare Luft von Süden her herüberhallte. Es war ein Artillerieangriff auf Marinowka und Karpowka, und sie sahen, als sie ihren Bunker verlassen hatten, den Feuerschein am südlichen Horizont.
„Vielleicht sind es Hooths Panzer, vielleicht daß sie den Ring erreicht haben. Bis Weihnachten sollte der Kessel geöffnet sein!“ sagte Bäumler.
„Dann erhält Stabsarzt Unde seinen Kesselorden, aber ich glaube es nicht!“ meinte Huth.
Das Feuer auf KarpowkaMarinowka dauerte zehn Minuten, und die Nacht fiel jãh in ihr Schweigen zurück. Noch ein paarmal eine durch die Luft ziehende„Nähmaschine“, Sonst gab es nichts mehr. Bäumler und Huth saßen wieder im Bunker. Der Großdeut- sche Rundfunk meldete sich mit einer sogenannten Ringsendung. Berlin , Hamburg , Frankfurt a. M., Kõnigsberg usw. riefen den einen und den andern Frontabschmitt an, riefen Narvik , riefen Misurate, riefen Tunesien , riefen Velikije Lucki, riefen Stalingrad .
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