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Stalingrad : Roman / Theodor Plievier
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Geest in größter File von russischen Kriegsgefangenen hatte ausheben lassen. Die Männer der übrigen Divisionen fanden auch solche Löcher nicht vor, sie fanden sich auf freiem Felde wieder. Und nicht das Gewehr und die geballte Ladung, der Spaten war hier die wichtigste Waffe. Blaches Land und die einzige Gegebenheit der Landschaft war hier und da ein Hügel, waren die zu den Rossoschkahöhen füh- renden Einklüftungen, im Süden die zum Karpowkaflüßchen abfallenden Schluchten und waren vom Schmelzwasser des Frühjahrs gerissene Erdrinnen, sonst war flaches ebenes Land und war Schnee, und die Temperatur fiel von zwanzig auf fünfund- zwanzig und achtundzwanzig Grad unter Null: das war die vom OKH und dem Führerhauptquartier bestimmte Linie westlich des Rossoschkatals, dieunter allen Umstãnden und koste es was es wolle gehalten werden sollte. Die Steppensiedlungen Bolschaja Rossoschka, Baburkin, Nowo Alexejewka(westlich davon lag Dmitrewka und lagen die vier Holzhäuser und die drei Lehmhütten Otorwanowka) und Kar- powka waren jetzt die Sitze der Stäbe.

Schnee, Kälte, ein Loch bis zum Nabel, darüber eine Zeltbahn; wer einen Bunker- ofen mitgeschleppt hatte, fand kein Holz zum Finheizen: so sahen die Stellungen aus, 8o sah auch das Loch aus, welches Unteroffizier Gnotke, Soldat Gimpf, als dritter ein Junge aus Ottakring bezogen hatte. Ein paar Meter weiter in einem anderen Loch lag der Kölner Tünnes. Er war Autoschlosser und hieß eigentlich Ewald Stüwe, der zweite war der Remscheider Messerschmied Georg Ketteler, der dritte der ebenfalls in Wertjatschi angehaltene Troßunteroffizier Erich Urbas; im nächsten Loch lagen ein Bauernjunge aus dem Sudetenland , ein Soldat aus Biller- beck in Westfalen , ein Bauer aus Hohengüstrow in Mecklenburg , und weiter lagen andre in anderen Löcherr. Die hisr in Stellung liegende Kompanie war die Alarm- kompanie des Hauptmanns von Hollwitz, zur Hälfte aus der Stabskompanie und zur anderen Hälfte aus den in Wertjatschi angehaltenen Versprengten zusammen- gesetzt aus Westfalen, Süddeutschen, Sudetendeutschen , aus Kanonieren, deren Kanonen, aus Panzerfahrern, deren Panzer auf dem Rückzug liegengeblieben waren. Der einzige Traum, der hier geträumt wurde, war ein Bunker, ein richtiger Bunker mit einem Ofen drin, wie in den postenfreien Stunden himter den Schneelöchern einer gebaut wurde; und die einzige Hoffnung war der General Hooth, der mit einer Panzerarmee von Süden her anrückte, um den Ring zu sprengen, wie gesagt wurde. Geredet wurde wenig darüber. Schnee und Kälte verschlossen den Mund. Was aber Gimpf anbelangte, dem war der Mund noch von anderem verschlossen. Was war es eigentlich Gnotke machte sich, als er den Spaten in das Erdreich stieß und den gefrorenen Lehm aushob, um das Loch tiefer zu machen, Gedanken darüber. Er wußte über Gimpf wenig, aber doch einiges. Ein Bauernjunge war er aus Alten- Affeln im Sauerland , und weil er als zweiter Sohm nach dem neuen Erbhofgesetz den Hof nicht haben konnte, hatte sein Vater ihn in dem nahegelegenen Hagen die Oberschule besuchen lassen. Im Krieg war Gimpf als Gefreiter nach München zu einem Offizierslehrgang kommandiert worden. Port hatte er eine Geschichte mit

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