aufarbeiten! Aus Wertjatschi eine San-ka— Verwundungen von Panzergeschossen und Bombensplittern. Panzer und Bomber über Wertjatschi, auch über Peskowatka,— die über den Don herübersteigende, die näherkommende Front!
Der Gehilfe Bäumlers klappte zusammen. An den nackten Armen, an dem mit Blut bespritzten Oberkörper Bäumlers rann der Schweiß in Streifen herunter.„Bäumler, nun gehen Sie aber— hauen Sie sich doch bitte hin! Ich mache solange weiter!“ Bäumler nahm seine Schürze ab, hängte sie an den Nagel und ging in die Neben- kammer. Huth machte weiter, mit Pinzette, mit Skalpell, mit Schere, mit Säge. Er zog Steckschüsse heraus, pflückte Splitter aus zerfaserter Fleischmasse, frisierte
Wundrãnder, sägte Beine ab, sägte Arme ab. In dieser einen Nacht machte er wett, was ein Vater, was eine Schwester, was Angehörige jemals an Sorgen um ihn aus- gestanden hatten, und machte er alles zuschanden, was jemals über den„ewig Studie- renden und den immer mit andern als medizinischen Fragen beschäftigten Assistenz- arzt gesagt worden war. In dieser Macht bestand er die Prüfung, und mit Händen, die einmal einen Künstlertraum geträumt hatten und das Lebendige, das Schöne, das Vollendete hatten wiedergeben wollen, mit nervösen aber sicher zugreifenden Hãänden, die die eines Meisterchirurgen hätten sein können, arbeitete er gegen den auf Rädern, auf Schlittenkufen, zu Fuß heranziehenden Strom blutender und zer- fetzter Leiber. Er arbeitete, bis der Kollege Bäumler aus todãhmlichem Schlaf wieder auffuhr, in die Stube zurückkam, seine Schürze vom Nagel nahm und antat und ihn ablöste.
Zweiundvierzig Stunden waren vergangen, seit der erste Verwundete auf den Tisch gelegt worden war.
Die Front rückte weiter nach Osten.
Die seit dem 19. November von den Divisionen jenseits des Don durchgeführte Bewegung glich, den General Geest in Wertjatschi als Flügelmann angenommen, einem großen: Das Ganze kehrt! Links schwenkt, marsch!— Uber den Don! Nach Osten!
Als dann die Russen von Süden, von Kalatsch her, auch über den Don herüber- drückten, mit Panzer- und Kavallerieverbänden, und auch die Ortschaften am linken Donufer aufgegeben werden mußten, Wertjatschi, Peskowatka und Sokarewka, war eine Schwenkung von etwa 90 Grad durchgeführt. Die in früheren Kämpfen und zuletzt am Brückenkopf Perepolni schwer mitgenommene 384. Infanteriedivision schied aus der Reihe aus, sie wurde aufgelöst. Die 76., die 44., die schwer ange- Schlagene 376. und im Süden die 3. motorisierte Infanteriedivision bezogen westlich des Rossoschkatales bis hinunter zu dem an der Eisenbahnlinie Kalatsch-Marinowka gelegenen Kalatsch neue Stellungen. Den kürzesten Bogen hatte die am inneren Flügel der Schwenkung stehende Diwision des Generals Geest zu schlagen, und die Truppen seiner rechten Flanke hatten nur wenige Kilometer zurückzulegen. Die Leute ließen ihre gut ausgebauten Bunker hinter sich und fanden statt dessen flach in den Boden gehackte Löcher vor, die je drei und drei Mann Platz boten, und die
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