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Stalingrad : Roman / Theodor Plievier
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eine marschierende Truppe. Es war die von Hauptmann von Hollwitz angeführte, auf᷑ dem Wege zur Brücke von Perepolni befindliche Alarmkompanie. In den Reihen dieser Kompanie marschierten auch die von einem Auffangkommando angehaltenen Soldaten der Bauer aus der Heide bei Celle , der aus Ostermiething , der Junge aus Ottakring , der Buchhalter aus Durlach , der Lehrer aus Zwischenahn , der Lager- verwalter aus Leipzig , die beiden Kölner Metallarbeiter Schorsch und Tünnes, der Messerschmied Ketteler aus Remscheid , Unteroffizier Gnotke, Soldat Gimpf. Gönnern und Damme fuhren vorbei. Wie Rauch blieb die marschierende Kolonne hinter ihnen.

Zwei Kilometer weiter standen Posten, war ein langer Stacheldrahtzaun, hinter dem Zaun, in Klumpen beieinanderliegend, manche auch stehend, die russischen Kriegs- gefangenen, die an diesem Tage ihre Bunker, die sie sich in die Erde gegraben hatten, losgeworden waren.

Der Wagen fuhr noch ein Stück weiter und als er vor der Verwaltungsbaracke an- hielt, und Gönnern und Damme ausstiegen und einen Blick auf die trostlosen Erd- haufen ringsherum warfen, dröhnte vom Don her eine Detonation auf, ein Ein- schlag der in Pausen auf die Brücke bei Perepolni einhackenden russischen Artillerie. Nun, hier bleiben wir jedenfalls nicht lange! meinte Damme.

Oberar?t Viktor Huth hatte jenseits des Ponflusses in einem Ruheheim gelegen. Weitab vom Dröhnen der Front in einem einsamen Gehöft des Golubajatals in Quartier, hatte er in den Herbsthimmel geblickt, den Winter heranziehen sehen und sich Gedanken über den Krieg und seinen Weg in den Krieg hinein gemacht. Es konnte natürlich nicht immer so weitergehen, gestern über den Njeschegol, heute über den Don, morgen über die Wolga , dann über den Uraluß, und eines Tages vielleicht über den Amu-Parja und den Indus; und er mit seiner Sanitätskompanie trottet immer hinterher, verabreicht den Leuten Abführmittel oder je nachdem Stopfmittel und gegen Krätze Nitigal und gegen Filzlãuse Cuprex, und impft sie gegen Pocken, Ruhr, Typhus , Paratyphus, flickt sie wieder zusammen und schreibt Sie wieder dienstfähig, oder macht sie fertig zum Abtransport nach hinten oder über- läßt sic dem Kollegen Pfarrer, der sie seinerseits fertig macht, und der von Btappe zu Ftappe, immer etliche Kilometer weiter õstlich, einen neuen Waldfriedhof anlegt und schließlich auf᷑ einen Rekord der wachsenden Anzahl seiner Wald-, Steppen- und Wüstenfriedhöfe zurückblickt; nein, das konnte nicht immer so weitergehen und irgendwo mußte da wohl mal ein Bruch eintreten. Die Bäume wachsen nicht in den Himmel, dafür ist gesorgt! Oberarzt Huth hatte aber das Unheil, den Damm- bruch, die Katastrophe, die einmal kommen mußte, nicht so bald und nicht von hinten, er hatte es von der Front her erwartet; daß es vom Rücken, von Westen her kommen und ihn weiter nach Osten schwemmen könnte, das hatte er sich nicht denken können. Mun hatte er im Ruheheim plötzlich den Befehl bekommen, sich in Marsch zu setzen und sich im Feldlazarett Wertjatschi beim Divisionsarzt Zu

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