günstigungen, die der Führer der Abteilung gewährt', entfallen. Er hatte damals, wie heute Aslang, nicht zu schleppen brauchen, sondern von morgens bis abends an der Grube gestanden und gesehen, wie sie sich allmãhlich mit erdigen Gestalten, mit verzerrten Gesichtern, mit sinnlos aufgerissenen Augen, mit losgetrennten Beinen, Armen, halbierten Körpern, unkenntlichen Fleischstücken anfüllte.
„Liebster Sepp..,„Mein lieber armer Karl...,„Geliebtes Goldschatzel., „Lieber Schn..,„Lieber Bruder und Schwager...,„Mein Liebling.., Mein lieber goldener Hansemann..,„Mein über alles geliebter Matz.., s0o stand es in den Briefen, die er entgegennahm und abends mit den anderen aufgelesenen Habseligkeiten zusammenlegte und eine dazugehörige Liste mit Namen für den Grãberoffizier anfertigte.„Geliebter Goldschatzel...“,„Mein lieber Mann und Pappi!“ Das waren Stimmen von einem fernen versunkenen Ufer, und einen Gnotke konnten sie nicht erreichen. Er wußte allenfalls, daß jene, an die sie gerichtet waren — damals war es noch September und die Sonne glühte und die Erde war trocken— wie dürres Holz auf der Steppe gelegen hatten und wie dürres Holz zusammenge- tragen wurden. Und er wußte, daß sie, als die Zeit weitergegangen war, wieder in ihrem Saft dagelegen hatten und um einiges schwerer gewesen waren; und daß sie spãter, als die Zeit noch weiter vorgeschritten war(es hatte schon Tage mit 25, auch mit 30 Grad Kãlte gegeben), hart und schwer wie Steine auf dem Traggestell lagen und daß die zu auseinandergespreizten Andreaskreuzen oder in sitzenden Stellungen gefrorenen Riguren noch schwerer zu transportieren waren und auch unverhältnismäßig viel Raum im Erdloch beanspruchten.
„Geliebter Goldjunge...“ und:„Sieh Dich nur recht vor...“ und:„Melde Dich zu nichts, nirgends vordrängen...“ und:„Pass' auf, daß Du keine kalten Füße bekommst, Schuheinlagen machen aus Pappe...“ und alles, was sonst da in den Briefen stand, konnte weder die ausgetrockneten Steppenleichen, noch die frischen Herbstleichen, noch die widerspenstigen Frostleichen betreffen und war nichts als bezichungsloses und sinnloses und hilfloses Gestammel, und Gnotke wußte es wirk- lich besser. Was sonst noch in den Briefen stand, auch an Hoffnungen, an Gedanken, an geographischen und kriegsgeographischen Randbemerkungen, an Gnotke ging es vorbei. Er befand sich an einem Punkt, wo es keine Hoffnung mehr gab.
„ Warte mit Sehnsucht auf das Ende und mit noch größerer Sehnsucht auf den ersten Brief nach der Schlacht, damit ich Gewißheit habe, daß Du.. usw. Was könnte es für ein Ende sein und was für eine Schlacht, der ein erster Tag und ein erster Brief folgen könnte!
„ In den Kãmpfen um Stalingrad ist leider noch immer kein Ende abzuschen. Mit der Einnahme dieser Stadt werden die Angriffskämpfe dieses Jahres einen gewissen Abschluß finden. Höchstens werden die Unternehmungen im Kaukasus fortgesetzt werden, falls es uns gelingt, noch rechtzeitig den Kluchow-, Mammissow und Kreuzpaß zu nehmen, denn südlich des Kaukasus ist eine Kriegführun auch imWinter möghch, und so w xc es zu machen, wenigstens noch die Glfelder bei Baku zu nehmen.“
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