Druckschrift 
Stalingrad : Roman / Theodor Plievier
Entstehung
Seite
7
Einzelbild herunterladen

c

wurde, oder daran, daß die Südfront schon zu diesem Zeitpunkte den größoern Menschenhunger und auch größeren Bedarf anMenschenspreu hatte, auf der Station Stary Oskol waren beide, ein ganzer Waggon voll ihresgleichen, an ein auf 3 dem Marsche befindliches Regiment angehängt, aber schon in Waluiki wieder aus- geladen worden. Wieder waren sie einer Pionierabteilung zugeteilt worden und von neuem hatte der Lauf über Minenfelder und das Wegräumen von Stacheldraht- hindernissen begonnen, während Artilleriegeschosse in ihren Reihen plat?ten, dies- mal im Zuge der 6. Armee, auf der Donsteppe und tief in den Donbogen hinein. Matrosen aus Norwegen , Diebe an Heeresgut, nervenkranke Flieger, alte Troß- fahrer, plõtzlich in die Bresche geworfen und im Feuer der Schlacht moralisch zu- Sammengebrochen, blieben hier auf der Strecke, die beiden Staubkörnchen Gnotke und Gimpf blieben auch dieses Mal heil.

Sie kamen zu einer anderen Abteilung.

In der nördlichen Schleife des Donbogens lagen sie truppweise in Erdlõchern, und des Nachts bewegten sie sich gleich Gespenstern in der Flußniederung und fügten Knüppelteppiche aneinander. Wieder waren es Strapazierte und Entnervte des Krieges und Letzte zertrümmerter Regimenter, die hier und nicht nur durch Artilleriebeschuß, auch durch Fieber, auch an Erschöpfung zugrunde gingen. Rs dauerte Wochen, und hier zwischen Kletskaja und Wertjatschi hatte der deutsche Vormarsch sich festgelaufen. Bei Kletskaja hatte die Rote Armee einen Brückenkopf und eine Ausfallstellung für spãtere Operationen herübergetrieben. Und wãhrend weiter südlich, bei Kalatsch über den Don hinüber, über die Don-Wolga-Steppe hinweg die 6. Armee vorrückte, bis sie nach Stalingrad gelangte und sich in dem Trümmerlabyrinth festlief, wurde hier schon weit länger auf der Stelle getreten und auf᷑ der Stelle gekãmpft und auf der Stelle gestorben. Kletskaja und dem russi- schen Brückenkopf bei Kletskaja, dieser Schweren Flankenbedrohung der Stalin- grader Nordostfront, war eine große Truppenmasse entgegengestellt. Das 4. und §. rumänische Korps lag dort. Pahinter das 48. deutsche Panzerkorps, die 23. und Teile der r4. Panzerdivision, noch eine zur Hälfte aus deutschen und zur Hälfte aus franzõsischen Panzerbeständen aufgestellte königlich-rumänische Panzerdivision. Diesem Pfropfen an massierten Truppen entsprachen die Massigkeit der Kämpfe und die Menge der hier fallenden Opfer, auch in den benachbarten deutschen Infanteriedivisionen. Die immer aufs neue ausgelegten schwimmenden Knüppel- teppiche und die von Pionieren gelegten Pontonbrücken wurden von der russischen Artillerie immer wieder zerhackt, und durch Wochen trieben Leichen deutscher Soldaten den Pon stromabwärts. Auch auf der Steppe und dem Hügelgelände öst- lich und nordõstlich Kletskaja gab es viele Tote, und Gnotke und Gimpf wurden Leichenbestatter.

Bis zum Oktober hatten sie(mit Ausnahme derjenigen, die über die Verwundeten- Sammelstellen nach hinten abgegangen waren) fast das ganze Bataillon, dem sie zu- geteilt waren, einschließlich drei Kompanieführer und den Bataillons kommandeur

7