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unterliegt der Uberwachung. Päckchen sind nicht auszuhändigen, sondern bei der abgebenden Einheit zu verwahren. Außerdienstlicher Verkehr: mit anderen Soldaten oder mit Zivilpersonen ist verboten. Beleuchtung: wird nicht zur Verfügung ge- stellt. Vergünstigungen: gewährt in besonderen Fällen der Führer der Abteilung.“ Schon zehn Monate gehörte Gnotke dieser Truppe an, über deren Ursprung und Zusammensetzung es in einem Armeetagesbefehl heißt:„Es ist bekannt, daß der Krieg die Soldaten verdirbt und die unausbleibliche Folge jedes Einsatzes ist die Auflockerung der Disziplin; und je länger der Einsatz dauert und um so härter die Inanspruchnahme, um so mehr macht sich das bemerkbar.“ Den Unteroffizier Gnotke hatte der letzte Wintereinsatz und der Marsch auf Moskau „verdorben“, und„Befehlsverweigerung vor versammelter Mannschaft“ hatte ihm hierhergebracht. Der Soldat Matthias Gimpf war auch eine„unausbleibliche Folge“ des letzten Winter- feldzuges. In einem Graben hinter der zugefrorenen Shisdra— es war ein Tag ge- wesen, an dem die Bäume vor Kälte krachten und der Wind feinen Pulverschnee ins Gesicht blies— hatte er mit zerrissenen Stiefeln und in dũnnem Mantel gestanden, und wie alle anderen hatte er, als der Regimentskommandeur vorn die Stellungen besichtigte, die Hände in den Taschen behalten; daraufhin vom Kommandeur an- gesprochen, war ein verständnisloses Lächeln seine Antwort gewesen; er hatte auch in diesem Moment die Hände noch nicht aus den Taschen genommen und nicht einmal„die Hacken zusammengerissen“, wie der Acdjutant feststellen mußte, und s0 hatte er geradezu ein Musterbeispiel für die„Sinkende Moral“ der Truppe ab- gegeben und als solches hatte er dann auch zu dienen. Feldwebel Aslang war noch nicht lange bei der Abteilung, auch die beiden Gefreiten Hubbe und Dinger waren erst vor kurzem mit einem Transport aus Graudenz zur Auffüllung angekommen. Gnotke und auch Gimpf gehörten vorher in den Bereich der 4. Panzerarmee und im Zuge dieser Armee waren sie über die Kursker Steppen gegangen, und während Pionierabteilungen Gassen in die Minenfelder brachen und den Weg frei machten, 3 rãumte diese„Spreuꝰ“ des vorangegangenen Winterfeldzuges, manchmal zusammen- gekoppelt mit örtlichen Finwohnern, Frauen und Halbwüchsigen, auch mit evaku- ierten Juden aus Warschau , aus Budapest , aus Hamburg die Minenfelder. Diese rechts und links der Durchbruchstellen auf den Minenfeldern verbleibenden und vorwãrtsgetriebenen und in die Lüfte gesprengten und immer wieder mit neuer „Spreu“, mit anderen Ortseinwohnern, anderen Juden aufgefüllten Abteilungen waren, ebenso wie die Panzerabteilungen und Voraustruppen und Grenadierregi- menter, Teil der Armee und der nach Osten vordringenden Offensive. Was Gnotke und Gimpf anbelangte, so waren sie mehr als einmal vom Luftdruck an den Boden geschmettert, die Knochen waren ihnen geprellt und die Haut zer- schunden worden; es war vorgekommen, daß sie sich Fleischfetzen und Därme des Nachbarmannes, manchmal der Nachbarfrau, aus dem Gesicht hatten wischen müssen, aber sie selbst waren heil geblieben. Lag es nun daran, daß der Frontabschnitt, an dem sie sich befanden, von italienischen und ungarischen Truppen übernommen
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