Diese Epoche ihres Lebens war abgelaufen. Nach ihr kam nichts mehr. Was sie noch lebten, war eine Pause.
Wolf verschmähte diese Pause nicht. Der Mittag war nahe. Die Schwüle des Sommertages drang herein. Der Himmel stand in Glut.
Aber wenn ihr Leben auch in Wirklichkeit schon abgelaufen war, 8so hatten sie dennoch eine Pflicht zu erfüllen. Sie bildeten die Nachhut einer Armee, deren Hauptteil sich schon in Sicherheit pefand. Man hatte sie zur Ausführung einer bestimmten Aufgabe zurũckgelassen. Die Ausführung drängte. Wenn sie zögerten, ge- fährdeten sie nicht nur diese Aufgabe, sondern sie liefen auch Gefahr, den Zusammenhang mit den Ihren zu verlieren.
Wolf empfand jähe Angst davor, zurückzubleiben. Er wandte sich hastig nach Novak um und gab ihm das verabredete Zeichen. Novak holte das Feuerzeng aus der Tasche, drückte die Feder und sah gelassen zu, wie die kleine Flamme hochsprang. Sie brannte ruhig, mit einem blassen gelblichen Schein, in dessen Kegel tiefe Bläue eingebettet war.
Novak bückte sich, um die Holzwolle in Brand zu setzen. Aber er fand keine Gelegenheit mehr dazu.
Der Himmel schien sich zu spalten. Eine keurige Hand stieß aus seinen Tiefen hervor. Flammen stürzten herab. Feuer und Ver- derben waren überall. Das Schloß erzitterte in seinen Grund- festen. In mehreren Wellen sanken die Mauern ein. Zuletzt deck- ten die Trümmer des berstenden Daches und der zwei Türme die Brandstätte.
Sterbend vernahm Wolf das sich entfernende, tiefe, singende Ge- räusch einer Anzahl Flugzeugmotoren . Im letzten Augenblick seines Lebens huschten Erleuchtungen durch sein Bewußtsein. Sie folgten einander mit beinahe kosmischer Geschwindigkeit.
Wie es kam, daß die Staffel Sowjetflieger gerade in diesem Augenblick eingegriffen hatted Wenn es kein Zufall war— und konnte es Zufall sein?— welche Zusammenhänge hatten sie ge- rufen? Welche Ursache hatte den Befehl, in der gegebenen Stunde und am gegebenen Ort einzugreifen, ausgelöstꝰ?
Oftenbar hatte der Nachrichtendienst einer in der NMähe operleren-
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