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lange es doch dauerte, bis das schmale, bläulich-schimmernde Stahlstück, aus dem der Sekundenzeiger bestand, jene Entfernung zurücklegte, die von einem Strich zum anderen reichte.
Das also war eine Sekunde. So lange währte sie. Sie war peladen mit Gedanken, Einfällen, Erlebnissen und Versuchungen. Sie dauerte lange genug, auch wenn nichts in ihr geschah. Wie endlos aber mußte sie scheinen, wenn sie nicht nur in ihr vollzogene Foltern enthielt, sondern wenn die Zeit selbst als Folter diente; wenn man sie den blutenden Fingern abzwang; wenn der Sekun- denzeiger sich in jeden Merv bohrte, die Blutgefäße zerschnitt, die Muskeln verwundete und zuletzt mit seinen Widerhaken bis ins Herz vorstieß, um es tödlich und unheilbar zu verletzen.
Auch Brigolas Augen hafteten an dem Sekundenzeiger. Der Ge- fangene war verstummt. Er hatte erkannt, daß sein Schicksal ent- Schieden war. Schweratmend lag er auf dem Rücken. Seine Augen entfernten sich langsam aus dem Zimmer. Ob er sich dessen be- wußt war, welche Gedanken seine Stoppuhr auslöste? Ob er überhaupt wußte, was vorgingꝰ
Niemand vermochte es zu sagen. Die Todesangst verstärkte sich. Von Sekunde zu Sekunde lagerte sie sich schwerer über Brigolas Körper und drückte härter auf sein Herz.
Die Minute war um. Brigola starb durch einen Schuß aus seiner eigenen Waffe. „Ich bin glücklich“, sagte Wolf, während sie den Raum durch- schritten,„daß mir weitere Gerechtigkeit zu üben erspart bleibt.“
„Unser Versagen hat dich gegen uns mißtrauisch gemacht?“ fragte Simon.
„Nicht gegen dich allein, mein Freund. Gegen mich, gegen alle, die litten.“
Wolf sland in der Türöffnung und plickte in den halberhellten und düsteren Korridor, der langgestreckt an der Längsseite des Gebäudes hinlief, ins Unbestimmte verdäãmmernd. „Selig sind die Unbefangenen“, sagte er feierlich und trat in die Endlosigkeit des Korridors hinaus.„Sie allein werden den Mut zur Unbarmherzigkeit haben.“


