grotesk, um in seinem Hirn Platz zu finden. Wolf nahm ihn im strõmenden Regen ins Verhör. Zuerst weigerte sich der Mann, zu reden. Aber einige Stöße mit dem Gewehrkolben genügten, um den Gefangenen gefügig zu machen. Alle, die das Wächterhaus umstanden, empfanden mit voller Deut- ſichkeit die Freude des bisher Vergewaltigten an der Gewalt. Es war seliger, den Fuß auf fremde Nacken zu setzen⸗ als den Nacken unter fremde Füße zu beugen. Heftiger und schärfer kamen die Fragen aus Wolfs Mund. Sanft und ergeben klangen die Antworten des Gefangenen. Er half dem Vortrupp, in die Pforte zu gelangen, und machte selbst den Füh- rer zu den Mannschaftszimmern. Eine Waffe nahe dem Herzen und die auf dem BRücken festgeknüpften Hände verwehrten es ihm, an Hinterlist zu denken. Die Leute des Vortrupps hatten ihre Schuhe ausgezogen und tappten mit nackten Schlen über altersglatte Steine. Der Lichtschein des winzigen Lämpchens be- leuchtete niedere Wölbungen, gotische Zierate, verwitterte, in die Mauer eingelassene Standbilder. Die Mannschaft des Vortrupps wurde verteilt. Auch der zweite Posten fiel ohne Gegenwehr in ihre Hände. Ausgewählte Leute bemächtigten sich der vorhandenen Waffen und drangen in die Schlafkammern. Erschrocken fuhren die Schläfer von ihren Lager- Slätten auf. Sie erlebten den großen Schreck und das grenzen- lose Erstaunen ihres bisherigen Daseins. Die Untermenschen hat- ten Revolution gemacht. Was man die Deutschen als Geschöpfe einer niederen und verworfenen Welt sehen gelehrt hatte, war aus den Kerkern ausgebrochen und hatte den höheren Menschen anzufallen gewagt. Panik bemächtigte sich der Wachmannschaft. Scham und Ver- plüffung verhinderten ihre volle Gegenwehr. Wenige büßten ihren Widerstand mit dem Tode. Die anderen hielten, ohne ihre Nieder- lage zu pegreifen, ihre Handgelenke hin, um gefesselt zu werden. Per Scharführer und die beiden Rottenführer waren unter den Gefangenen. Wolf riß den unter den Griffen seiner Uberwältiger schwanken- den Scharführer näher zu sich heran. Es war ein schlanker, wei- pisch aussehender Mensch, dessen verwirrte Augen im Kreise wan-
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