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FUNFZEHNTES KAPITETL⸗
Das Judentor lag weit zurück. Man erklomm den Weg zum Schloß, nicht den gewohnten, sondern den steilen, den sogenann- ten„Kreuzfahrerweg“, der zu einer für Juden verbotenen Pforte, der„Kreuzfahrerpforte“, führte.
Der Regen begann immer stärker zu fallen. Die Tropfen schlugen schrill auf den bereits mit Nässe getränkten Fußboden auf. Im Dunkel stieß man gegen Baumstämme und Wurzeln. Aus dem Schlaf aufgestörte Vögel taumelten erschrocken gegen die Regen- massen. Getier, das am Fuße der Stämme Zuflucht gesucht hatte, huschte schleunigst tiefer ins Dunkel. Aus ihrer Lage gelöste Steine rollten gemächlich den Abhang hinunter. Aber niemand, wenn er auch noch so angestrengt horchte, konnte in dieser Sturm- nacht die einzelnen Geräusche voneinander unterscheiden.
Als man sich der Kreuzfahrerpforte näherte, wurden selbst die vorsichtigsten Füße noch vorsichtiger auf den Boden gesetzt. Man ging mit ausgestreckten, tastenden Armen. Die Nässe hatte längst die Gesichtszüge überströmt. Jetzt drang sie tiefer durch Schuhe und Kleider. Der Regen hatte große Lachen um das Wächterhaus vor der Kreuzfahrerpforte gebildet. Im Inneren dieses Wächter- hauses saßß der Posten, von Halbschlaf umfangen.
Es kostete keine Mühe, ihn lebendig zu überwältigen. Der Mann war anfangs wie betäubt. Die Vorstellung, von der jüdischen Belegschaft überrumpelt und gefangen worden zu sein, war zu
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