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Revolte der Heiligen : Roman / Ernst Sommer
Entstehung
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Er hatte dasselbe Empfinden wie Jan. Während es in diesem aber glühte und in Bewegung war wie die feurige Lava eines Vulkans, war es in Wolf gleichsam festgefroren.

Sonderbar! dachten beide.Wer zwang die Menschen, das alles zu ertragen?

Jan wurde von dieser Frage förmlich geschüttelt. Wolf᷑ aber, im Leiden erfahren, gefaßt auf jede Art von Schicksal, sah regungs- los zu. Wie weit reichte die menschliche Geduld? Hatte sie wirk- lich keine Grenzen?

Indes hatte Michaels Zählung den vierten Betroffenen erreicht- Es war Luria.

Dieser reckte sich auf und schrie Michael seinen Namen entgegen. Er zwang ihn, aufzublicken und ihm in die Augen zu sehen. In den Augen des Vorbeters brannte eine besessene Glut. Während Michael schrieb, öffnete Luria neuerdings seinen Mund. Deutlich und unter Betonung jeder Silbe erklang eine hebräische Formel. Manche der Anwesenden kannten sie. Gelobt sei der Ewige, unser Gott, der den Tod verhängt und die Lebenden abberuft.

Zwei Sekunden hing dieser Formel ein unbeschreibliches Schwei- gen nach. Pann zählte Michael weiter. Er machte kleine, rasche Schritte. Während er weiterging, bemühte er sich, seine Blicke nicht von den Dielen des Fußbodens aufzuheben. Aber die Reich- weite seiner Pupillen war unheimlich groß. Die Gesichter der Gezählten schienen überall zu sein. Michael sah sie. Er entging keinem von ihnen.

Noch viermal hatte Michael zu zählen, ehe er mit den Männern fertig war. Vier Namen hatte er aufzuzählen, alle ihm hekannt. Und wie wohl die letzten vier Betroffenen geradezu überirdische Ruhe verrieten, wurde Michael von verworrenen Gefühlen über- kommen. Es war teils Genugtuung, teils Scham.

Michael schämte sich nicht nur deshalb, weil er das ungerechte Urteil vollstrecken half, sondern weil er durch die Tatsache, daß er zählte, vor dem Verhängnis beschützt war, unter den Mitgezähl- ten zu sein.

Im letzten Winkel seines Bewußtseins aber entdeckte Michael, daß

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